Der Leutnant wurde ganz verlegen: »E – hm – ja, jawohl, ein Gedichtbuch!«
»Mit was dürfte ich dienen?«
Der Kauf kam nicht so leicht zu stande; der blasse Jüngling war bemüht, sich über den Geschmack des Käufers zu orientieren, und diesem wiederum waren die Namen, die der Verkäufer geläufig herzählte, Rauch und Schall.
Es war für beide eine Erlösung, als der Leutnant auf das kleine rote Buch wies: »Ganz scharmant!«
Im Nu war es vorgeholt. »Kann ich Ihnen sehr empfehlen, wunderbar schön,« rief enthusiastisch der Jüngling und schlug schwärmerischen Blicks die erste Seite auf: »Sehen Sie, schon sechste Auflage! Hochpoetisch! Sehr gefühlvoll!«
Gefühlvoll, ja, das war gerade das Richtige!
»Übrigens von einem geborenen Düsseldorfer!«
›Na, dann wird’s was Rechtes sein‹, wollte Viktor eigentlich sagen, aber er besann sich – das Buch sah doch wirklich sehr scharmant aus. Er bezahlte einen baren Thaler und fünfzehn Silbergroschen, obgleich er das im stillen für so ein kleines Ding ganz unerhört teuer fand. Da würde er eine Weile gehörig krumm liegen müssen, aber – na, wenn sie sich nur freute!
Diesen Abend brannte die Kerze in der Offiziersstube tief herunter, der Docht kohlte schon zolllang, niemand schnuppte ihn; eine wahre Traufe von Talgthränen floß auf den Tisch. Viktor lag auf dem Sofa, hatte die Beine über die Seitenlehne gehängt, den Rock auf der Brust offen, und las in dem Buch, das er morgen der blonden Josefine verehren wollte. Er las und las. Sein Gesicht glühte – Donnerwetter, der Kerl hatte das Dichten weg! Die Josefine würde sich nicht schlecht freuen, stand doch auch ihr Lied darin. Das war mal gut getroffen! Nun konnte sie es zu Ende singen.
»Hurra!« Ganz toll vor Vergnügen sprang er auf und rannte mit seinem Buche in der Stube umher.