Allein –! Mit einem zitternden Seufzer sah sich Josefine um, und dann stürzte sie hinaus an’s Küchenfenster. Alles dunkel. O –! Sie stand und starrte und starrte. Hinten in der Kammer rauften noch die Brüder beim zubettegehen, dann wurde es auch dort still.

Auf dem Hof kein Tritt. Keiner der Soldaten pfiff vor der Thür bei dem häßlichen Wetter. Der Himmel so dunkel, kein Stern, doch jetzt, jetzt – sie unterdrückte einen Freudenschrei – jetzt schimmerte einer da drüben: sein Licht!

Er war zu Hause! Wie mit Gewalt zog sie’s hinüber. Sie mußte ihn sprechen, heute noch sprechen! Wenn er doch käme, wie damals, zu ihr in die Küche träte! Ach, er wußte ja nicht, daß sie hier stand, ganz allein, und sich nach ihm sehnte!

Sie öffnete das Fenster, daß die feuchte Nachtluft sie durchschauerte, und fing an zu singen; der Wind nahm ihr den Ton vom Munde, aber sie strengte sich an, stark kämpfte ihre Stimme gegen das Sausen und Heulen:

»Ich weiß nicht, was soll es bedeuten –«

Sie sang das ganze Lied, siegreich drang es durch den Sturm der Herbstnacht, aber kein Fenster drüben klirrte – hörte er sie denn nicht?!

Wenn sie nun rasch hinliefe und an seine Thür pochte? Was war denn dabei? Gewiß nichts Unrechtes – sie hatte ihn ja so lieb!

Sie überlegte nicht mehr, schon war sie draußen und huschte den dunklen Gang entlang. Rasch, rasch! Ihre Sehnsucht trieb sie schneller, als ihre Füße laufen konnten; sie strauchelte, sie stolperte – da – ein rascher, elastischer Tritt kam auf sie zu.

»Viktor!« Mit einem jauchzenden Ruf streckte sie die Hände aus.

Da faßte er sie um den Leib, wie damals im Keller in der schwankenden Bütte, und zog sie hinein in sein warmes, erleuchtetes Zimmer.