»Nanu?« Der Feldwebel zog die Brauen in die Höhe, es war ihm augenscheinlich fatal, daß die Tochter heute abend ausspannte. »Nimm dich zusammen! So’n bißchen Kopfweh! Macht nichts!«
»O doch!« Mit einem Aufseufzen stützte Josefine den Kopf in die Hand. Sie wurde ganz blaß.
»O!« Der Sergeant erhob sich. »Dann werd’ ich lieber gehen,« sagte er kleinlaut.
Frau Trina erhob nur schwache Einsprache, Josefine gar keine.
Bloß der Feldwebel nötigte zum bleiben:
»Ä was, das Kopfweh geht schon vorbei. Man nich so ängstlich! Man reist doch nicht her bloß für die halbe Stunde! Das nenne ich Zeit und Geld verplempern. Geh, gieß dir Wasser auf den Kopf, mach ’nen Umschlag, leg dich ’nen Augenblick nieder, und dann kommste wieder ’rein – frisch, Mädel, hörste?!«
Die Tochter stand stumm auf; es zuckte um ihren Mund, als ob sie weinen wollte.
»Aber nein – es ist doch besser – ich werd’ jetzt doch –« Der Sergeant zögerte, das Wort ›gehen‹ kam ihm so schwer über die Lippen. Erwartungsvoll sah er zu Josefine hin – würde sie ihn denn nicht zurückhalten?! Aber sie sagte kein Wort; so mußte er sich schon entschließen, sich zu verabschieden. Lange hielt er beim Adieu ihre Hand in der seinen. Nun würde es vielleicht Wochen und Wochen dauern, bis er wieder herkommen konnte; es wurde ihm sehr sauer, so von ihr zu gehen.
Der Feldwebel begleitete Conradi hinüber in’s Stammlokal, da trafen sie viele Kameraden. Josefine atmete auf, als die Männer die Stube verlassen hatten. Auch Frau Trina rüstete zum ausgehen, sie wußte, nun kam Rinke vor Zapfenstreich nicht wieder, da konnte sie gut währenddes ihren Wilhelm besuchen.
»Leg dich im Bett,« sagte sie zur Tochter, und dann lachte sie hell auf: »O du schlau Dingen! Dem haste’t jut zu verstehn jejeben: ›Mach dich ab!‹ Hahahaha! ’nacht, Fina!« Damit ging sie.