Er hatte sich ein wenig zurückgerückt und den Arm auf Josefines Stuhllehne gelegt; so saß er und sah unverwandt auf das weiche, blonde Gekräusel, das sich da hinten in dem molligen Genick aus dem straff aufgekämmten, glatten Haar herausgestohlen hatte. Er konnte nicht widerstehen, spitzte die Lippen und pustete zart auf die Härchen.

»Au,« sie zuckte unwillig zusammen.

Es war gut, daß Frau Trina jetzt mit einer Bewirtung kam: geschabtes rohes Fleisch mit Zwiebel, Leberwurst und frischer Holländer Käse. Sie hatte sich ordentlich abrennen müssen, das Traktament, das ihr Mann angeordnet, so allein zu besorgen. Auch noch ein Krug Bier wurde aufgesetzt.

Die Männer stießen fleißig an. Josefine aber mundete nichts – wenn der Conradi doch nur erst wieder fort wäre! Ihr Kopf glühte. Dieses Suchen nach ihrem Blick, dieses Tasten nach ihrer Hand machte sie so ungeduldig, so unglücklich, ganz böse. Sie wollte nicht – nein, nein, – und doch saß sie wie gelähmt unter dem Griff dieser festen, warmen Männerhand und hatte nicht mehr die Kraft, ihre Hand fortzuziehen. Der Verliebte streichelte sacht darüber hin und spielte mit ihren Fingern.

Ob wohl das Licht drüben in der Offizierstube brannte?! O, könnte sie es doch aufglimmen sehen!

Ob sie ihn wohl noch sprechen würde heute abend?! Ach, heute den ganzen langen Tag und gestern den ganzen langen Tag kein Wort mit ihm gewechselt!

Wo war er, was that er, was dachte er?! Wo blieb er, kam er, war er schon da?!

Eine ungestüme Sehnsucht packte sie – sie hielt’s nicht mehr aus, nein, nein!

»Jeses, Fina,« sagte die Mutter plötzlich, »wat siehste schlecht aus! Is dich wat?«

»Ich – ich hab’ – schrecklich Kopfweh,« stammelte Josefine.