Drinnen in der Stube fing die Mutter an, das Geschirr abzuräumen; sie that sehr geschäftig und wollte es nach der Küche tragen, aber: »Bleib!« rief ihr Mann.
»Was ist los mit dir?« sagte der Feldwebel zur Tochter. Seine Stimme war ruhig, scheinbar gemütlich, aber doch vibrierte etwas in ihr. Sie kannten den Ton, der verhieß Sturm. »Was hast du gegen Conradi’n?«
»Nix!«
»Er ist dir sehr gut!«
»Och –?!«
»Thu nicht so, als ob du das nicht wüßtest! Und en braver Kerl ist er – wenn auch en bißchen mau, – anständig ist er durch und durch! Warum bist du so obstinat? ’nen besseren Mann kriegst du nicht!«
»Ich will jar keinen!«
»Sie hat ja noch Zeit,« wagte Frau Trina einzulenken. Die Tochter that ihr leid; die saß da, wie verdonnert, hielt die Hände im Schoß und rang die Finger ineinander. »Un ich mein’, Rinke, du könnst et als auch noch abwarten, bis de dat Fina los wirst!«
Er brauste nicht auf, wie sonst wohl; ruhig klang es, fast müde: »Zeit – abwarten?! Zeit – jawohl, das ist jetzt ’ne tolle, kein Respekt mehr, kein Parieren! Man paßt nich mehr in den Kram.« Schwermütig stützte er den Kopf in die Hand und sah vor sich hin, versunken in seine Gedanken. »Zeit –?! Wer weiß, wieviel man noch hat!« Die Lippen spitzend, fing er leise an zu pfeifen. Es war das alte Soldatenlied: ›Morgenrot, Morgenrot.‹
Plötzlich fuhr er nervös aus: »Ich hab’ ’ne Unruhe! Ich hab’ sie nu mal! Eh’s los geht, möcht’ ich die Josefine versorgt sehen!«