Als die Equipage des Prinzen Friedrich vorüberfuhr, zuckte er zusammen, stier wurde sein Blick – das, das war der König?! In seinen Mantel gehüllt, lehnte der hohe Gast in einer Ecke des Wagens.

Dem Feldwebel wollte das Herz brechen. Wo war der Glanz des jugendlich schlanken Kronprinzen, dessen Augen von Geist und Leben gestrahlt hatten?! Er konnte die Züge, denen er einst in der eignen Jugendzeit zugejubelt, nicht wiederfinden; er wollte ›Hurra‹ schreien und brachte es nicht heraus.

Das Hurra um ihn her war auch matt – oder deuchte es ihn nur so? Viel Volks schwieg. Und die Sonne trübte ihren Schein, ein Wind machte sich auf und jagte den Staub in die Augen.

Als Rinke die Lider wieder frei öffnen konnte, waren die schnellen Räder längst verrollt. Aber eine unruhige Bewegung unter der Menge erschreckte ihn. Das war ein scheues Raunen, ein Flüstern – hier – dort – überall! Man wollte pfeifen gehört haben, man wollte wissen, daß plötzlich, von ruchloser Hand geschleudert, Pferdekot in den Wagen geflogen war und den Mantel des Königs gestreift hatte.

Verblüffte, betroffene Gesichter sahen sich an. –

Als Frau Josefine Cordula nach fünf Uhr durch die Ratingerstraße wieder zurückkam, war sie ganz außer Atem; sie hatte sich sehr geeilt und war doch fast an zwei Stunden fortgeblieben. Nun fiel es ihr plötzlich ein, daß der Peter ja ganz allein zu Haus war. Denn die Kochfrau hatte ihre Vorbereitungen unterbrochen und war mit ihr zugleich gegangen, und der Wilhelm war schon am Vormittag fortgelaufen. No, sie gönnte es dem Jungen ja! Der hatte jetzt so viele Freunde; und waren auch mal ein paar Rauhbeine darunter, zu streng durfte man nicht urteilen, Jugend ist noch kein Alter, und jung Bier muß ausgären. Bei ein paar Rempeleien war der Wilhelm wohl dabei gewesen, aber er hatte sich nicht selber an der Hauerei beteiligt – bewahre! Nur zugeguckt; die Polizei hatte denn auch ein Einsehen gehabt und ihn nicht mit in’s Speckkämmerchen gesperrt, als er sagte, er wäre der Enkel vom Bürger Zillges in der Ratingerstraße.

Ja, ihr Peter, der war wohl angesehen! Noch so ein echter Düsseldorfer Bürger aus der alten guten Zeit!

Ob er schon ungeduldig auf sie wartete? Ach, der schlief ja – hoffentlich! Verlohnt hatte sich’s nicht einmal, daß sie gucken gelaufen war – so sah ein König aus?! No ja, die Preußen – kein bißchen vergnügt!

Je näher sie ihrem Hause kam, desto eiliger trippelte sie; nun hörte sie einen Salutschuß, der galt dem Preußenkönig. Ob der Zillges den auch hörte?! Dann würde er sich ärgern.

Sieh mal, da saß er noch immer im Lehnstuhl hinter’m Spiönchen! Sie winkte und nickte. Er sah sie nicht.