Alarm, Alarm! Alle Mann heraus!

Und nun fingen die Glocken der Stadt an zu rufen, von allen Türmen bimmelte es. Ängstlich hilfesuchend wimmerte es: ›Feuer!‹ Mächtig dröhnte es: ›Sturm!‹ Und jetzt – huh – mit beiden Händen fuhr Josefine an die Ohren: das Lärmhorn der Bürger! Schrecklich tutete es; dazwischen das Blasen der Trompete, das Wirbeln der Trommel.

Generalmarsch wird geschlagen – die Infanterie rückt aus.

Feuer, Sturm, Aufstand, offene Rebellion! Grollend dröhnt ein Kanonenschuß. –

Es war wenig Militär in der Stadt, gestern erst eine große Zahl Truppen nach Elberfeld abgegangen, wo die Landwehrmänner sich ihrer Einberufung widersetzten; und heute in der Frühe war ein Nachschub gefolgt. Das ganze Bergische Land schien in Aufruhr.

Die Nacht war lebendig geworden. In den Lüften schien es zu klagen. Über den Exerzierplatz weg fuhr ein Geschrei – dann wurde alles still.

Oben in der Feldwebelwohnung hielt Frau Trina jammernd die Tochter umklammert: »Och Jott, och Jott, de Willem! So mitten in der Stadt, allein mit der alten Frau! Wenn de nur kein Dummheiten macht! Och Jott, och Jott, de Willem!«

»Ich will hinjehn,« sagte Josefine rasch. »Ich hol’ se her! Laß mich doch! Da is ja nix bei, ich hab’ kein Angst. Laß mich,« wehrte sie die Mutter ungeduldig von sich, die sie zurückhalten wollte.

Nach kurzem Kampf ließ Frau Trina ab. Am Ende war es ihr doch eine Beruhigung, wenn die Josefine nach dem Wilhelm sah. Das Gesicht verhüllend, sank sie auf den Stuhl im Winkel.

Ohne Besinnen lief Josefine die Stiege hinunter. Noch konnte sie zum Thor hinaus, es stand offen, ab und zu eilten Soldaten; in der Ferne verklang der Trommelwirbel einer ausrückenden Kompagnie.