Links ab schwenkte Josefine; über die Allee, beim Stadtbrückchen konnte sie nicht durch, das sah sie wohl ein. Rasch hier hinein! Durch die kleinen, engen Gäßchen der Altestadt kam man noch leicht zur Ratingerstraße. Immer rascher lief sie.

Nun war sie am Hunsrück. Ach, wo mochte Viktor jetzt sein?! Viktor, Viktor –?! Verwirrt glitt ihr Blick umher – hier war es ja so dunkel, die Laternen sämtlich erloschen, die Häuser schwarz! Sie tappte, sie stolperte, unwillkürlich stieß sie einen leisen Schrei aus.

»Zurück!« Es klirrte im Dunkeln. Und nun noch einmal der Ruf: »Zurück!« Und jetzt ein laut hallendes Kommando: »Lichter heraus!«

Rechts, links, wie mit Zauberschlag erhellen sich die Fenster, sie sieht entsetzte, neugierige Gesichter hinter den Scheiben auftauchen, nur für einen Moment, dann ducken sie unter, denn: »Zurück!« brüllt es wieder. Blinkende Uniformen, drohende Flintenläufe. Sie will rufen, aber schon geht voreilig ein Schuß los. Dicht pfeift ihr die Kugel über den Kopf.

Taumelnd fällt sie gegen eine Hausthür; diese giebt nach, ein Arm streckt sich heraus und zieht die Wankende herein.

»Jesus Maria, is Euch wat passiert?!« Weinend leuchtete ihr eine Bürgerfrau in’s Gesicht. »Ne, Jott sei Dank, et hat noch jut jejangen! Och, meine Mann, meine Mann, wo is de?! Se werden ein wat duhn, se werden em dotschießen! Se hören ja jar nit, wat mer ihnen sagt. Vorhin jing einen hie langs, ich kenn’ em jut, auch so ene ruhije Börjer, wollt no Huus jonn – knall, schießen se ein kapores. O Maria, Materdeies, wat is dat for en Nacht!«

Josefine zitterte vor Aufregung. »Machen Sie die Thür auf, ich muß wieder eraus!«

»Ne, ne, Ihr könnt jetzt nit eraus – seid Ihr jeck? Se schießen Euch dot!« Die Frau umklammerte sie mit beiden Armen.

»Ich muß!« Josefine riß sich los. Das Weib war wohl toll vor Angst, Soldaten sollten auf ruhige Bürger schießen?! Unsinn! Schon hatte sie die Hausthür aufgezerrt, schon stand sie wieder draußen auf der Gasse.

Jetzt war alles still. Unsicher huschenden Schein warfen die Lichter aus den Fenstern, von den Soldaten war nichts mehr zu sehen. Doch dort – dort in jener Thürnische kauert einer, das Gewehr im Anschlag, und da, hinter den Fässern, die mitten auf’s Pflaster gekollert sind, reckt eben einer spähend den Kopf empor. Ein Flintenlauf hebt sich vorsichtig.