Auf der rasch genommenen Barrikade stehen die Soldaten und feuern in die enge Gasse.

»Hochhalten!« tönt ein vereinzeltes Kommando, aber niemand hört es. Die Kugeln pfeffern in den Hunsrück – klatsch, in’s Pflaster – klatsch, gegen Thüren und Läden – zeigt jemand sich am Fenster, wird auch dahin geschossen.

Rette sich, wer kann! Josefine wird mit fortgerissen; in die Bolkerstraße hinein geht die Flucht, rechts und links durch eins der Seitengäßchen kann man vielleicht entschlüpfen. Aber dort aus der Kapuzinergasse tönt es: »Zurück!«

Huh, die ›Zaruck-Buh!‹ Die Mündung der Kapuzinergasse ist verstopft von Uniformen, das Eckhaus zur Bolkerstraße von Soldaten besetzt. Auch da kein Ausweg!

Auch da, gegenüber aus der Mertensgasse, gellt ein Hilferuf – das ist ein Verwundeter! Wie ein Tier kriecht er auf allen Vieren die Häuser entlang.

»Hilf’, Maria Josef, zu Hilf’!« Schwach wimmert der Unglückliche nur noch. Eine Thür öffnet sich, ein Mann stürzt heraus, schon hat er den Verwundeten unter die Schultern gefaßt, um ihn in’s Haus zu ziehn – ächzend drückt der die Hand auf die Leibseite – da, wieder der Ruf: »Zurück!«

»Gut Freund!«

Was nutzt’s? »Zurück!« Hähne knacken. Erschrocken läßt der Mann den Verwundeten fallen und springt, sich rettend, in’s Haus zurück; knatternd fährt der Schuß über die Stelle, wo er noch eben gestanden.

Weiter, weiter! Die Bolkerstraße weiter hinunter! Das Kleid ist Josefine abgetreten, zerfetzt hängt es ihr von den Hüften; die Haare, gelöst vom rasenden Lauf, züngeln ihr gleich Schlangen um den Kopf.

Weiter, immer weiter!