Der Feldwebel brachte selber sein Kind zur Ruhe; kaum daß Trina sich traute, als er draußen in der Küche nach einem Stück Brot suchte, das Kleine aus der Wiege zu nehmen und an die Brust zu legen. Der Kopf war ihr schwer, der Magen that ihr weh, sie weinte in einem fort. Weinend kroch sie in’s Bett, noch weinend schlief sie ein.
In der Nacht erwachte sie jäh – das Kind schrie durchdringend. Ganz entsetzt sprang sie auf. Ihr Mann stand schon bei der Wiege; er hatte das Öllämpchen angezündet und leuchtete damit in’s Bettchen nieder, in dem er das Kind aufgebündelt. Die kleine Josefine zog krampfhaft die Beinchen hoch an den Leib, jämmerliche Schmerzensschreie ausstoßend.
»Jesus, wat hat et nur, warum weint et dann?« fragte Trina erschrocken.
Er gab ihr keine Antwort; finster blickend raffte er die Decke von seinem Bett und wickelte das Kind hinein. So trug er’s im Zimmer auf und ab, immer auf und ab, rastlos hin und wieder.
Sie wollte es ihm abnehmen.
»Zu Bett!« herrschte er sie an.
Ängstlich verkroch sie sich wieder unter ihre Decke und blinzelte nur verstohlen zu ihm hin.
Mitternacht war längst vorüber, schon dämmerte ein bleicher Schein über’m Exerzierplatz. Noch immer wanderte Rinke auf und ab, hin und wieder, und noch immer wimmerte das Kind. Sie konnte es nicht länger mehr aushalten, an schlafen war doch nicht zu denken; die Decke abwerfend, lief sie zu ihm hin.
»Is et krank? Och Jott, och Jott!« rief sie angstvoll und rannte neben ihrem Mann her, bleich und fröstelnd. Sie klammerte sich an seinen Arm. »Och, Jesus Maria, Rinke, sag ens, wat hat et dann?«
»Bauchweh!« stieß er kurz heraus. »Und du bist schuld dran!« Und als sie ihn betroffen, ganz verdutzt ansah mit ihren müden, verschwiemelten Augen, hob er zornig die Hand und gab ihr einen Backenstreich.