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Die Trauerparade marschierte nicht vor dem Leichenwagen, die Hoboisten bliesen nicht den Totenmarsch, die Tambours schlugen nicht gedämpfte Trommel, keiner trug’s Ehrenzeichen auf dem Kissen voran – Feldwebel Rinke wurde in aller Stille zur letzten Stätte geführt, im frühesten Morgengrauen, eh’ noch die Stadt erwachte.

Düsseldorf lag wie in Grabesruh’; alle Fensteraugen fest geschlossen, alle Hausthüren verriegelt, niemand zeigte sich neugierig beim Rumpeln des Karrens. Ein trauriges, trübes Licht glomm über den Dächern.

Lang hing das schwarze Bahrtuch und versteckte ganz den schlichten, tannenen Sarg und die paar schüchternen Kränze.

Conradi hatte sich neben den Kutscher gesetzt; am Hofgarten schwangen sich noch ein paar, von der Kompagnie zum Begräbnis Kommandierte hinten auf. In rascher Fahrt erreichte man den Kirchhof, weit draußen am Rhein.

Es ging alles rasch, mit militärischer Schnelle. Die Soldaten halfen dem Totengräber zuschaufeln. Nebel brauten noch dick über’m Rhein, Tau fiel noch reichlich, im Rosengebüsch piepten noch verschlafene Vögel im ersten Erwachen, da war schon alles vorüber. Fröstelnd verließen die Soldaten den Kirchhof.

Nur Conradi stand noch allein am Grab. Das lag an einsamer Stelle, weit rechts ab von dem großen Mittelkreuz und allen reichen Monumenten des Friedhofs – nur wenige ungepflegte Hügel in der Nähe.

Der Sergeant war in bester Montur, das konnte ihm niemand wehren; sehr blaß leuchtete sein betrübtes Gesicht über dem Uniformkragen. Seine Lider waren schwer vom entbehrten Schlaf; hatte er es sich doch nicht nehmen lassen, dem toten Kameraden die Wacht zu halten die ganze letzte Nacht.

Traurig sah er sich um – niemand da zur letzten Ehre!

›Helm ab zum Gebet!‹ – niemand kommandiert es, und doch ruft es laut durch die große Stille, vom sich rötenden Himmel herab auf die graue Erde. Vom breitflutenden Rhein kommt’s wie Posaunenstoß, majestätisch befehlend: ›Helm ab zum Gebet!‹ Mit Orgelton braust der Morgenwind den Choral in den Wipfeln der Bäume.