Um den alten Jan Willem drängten sich die Marktleute; in der Mitte, am Standbild, waren die begehrtesten Plätze, da hatten die reichsten Bauern eine Leinenbedachung über ihre Körbe aufgeschlagen, oder unter großen, von Wind und Wetter mißfarben gewordenen Schirmen leuchteten die hellen Kopftücher der Weiber. Ein ganzes, fast unübersehbares Feldlager von Körben und Kiepen; einzelne Vorposten weit hinausgeschoben bis in die auf den Markt einmündenden Straßen. Am Burgplatz eine mehrreihige Auffahrt von Wagen und Karren.

Zwischen Körben und Kiepen durch schlängeln sich die Käufer: einfachere Bürgersfrauen, Kinder an Hand und Rock, Dienstmädchen in Gedruckskleidern und Siamosenschürzen, feine Damen, die sich von der Magd den Korb tragen lassen, behagliche Rentner, die gern das neueste vom Jahr essen und sich über die Preise orientieren, Handwerker, die ihre heute zu Hause in Anspruch genommene Ehehälfte vertreten, junge Leute, Maler augenscheinlich, die das Marktbild studieren, und Offiziersburschen in blau-weiß gestreiftem Drillich. Ein lebhaftes Gewimmel, ein anpreisendes Rufen und stetes Gesumm. Viele Farben: frisches Grün der Gemüse, leuchtendes Weiß der Eier und der sauberen Buttertücher, köstliche Reife herbstlicher Früchte, rot, gelb und blau; ein tiefgefärbter Himmel und goldener Sonnenglanz. Aber auch viel Schwarz – Trauerkleider – ein düsterer Unterton in der reichen Skala der Farben.

Die ersten Hasen waren heut zu Markt gebracht worden, und in den Körben lagen hochaufgeschüttet mit zart-duftigem Anhauch die ersten Zwetschgen. »Wie pure Honig,« versicherten die Marktweiber, »probiert ens, Madam, dat es jett Leckers!«

Aber doch lockten sie wenig Käufer. Manches Auge blickte zwar begehrlich, manche Kinderhand zupfte an der Mutter Rock, aber nur die Rheinkadetten, die vom Strom herangebummelt kamen, ließen sich von den Pflaumen in die Mütze messen. So billig wie dies Jahr, kamen sie sonst nicht zu Obst, es galt heuer rein gar nichts, denn niemand wollte es kaufen. Aber sie aßen mit Behagen: nur nicht bang, eine ›Bangbüx‹ kriegt sie am allerersten! Nur dreist sie auf’s Korn genommen, – piff, paff, trara – da hat sie keine Courage, einen anzupacken!

Arm in Arm dahinstapfend, sangen die kräftigen Kerle:

»Eins, zwei, drei

Wir sechsundsechziger Musketiere

Schießen mit Blei!«

Sie waren fast alle diesen Sommer mit im Krieg gewesen. Da am Rathaus baumelten noch die Guirlanden: ›Den Siegern von 66!‹ Noch prangten unter welken Kränzen die Tafeln mit den Schlachtennamen: Langensalza, Kissingen, Hammelburg, Gitschin, Nachod, Königgrätz. Und Sieger über hunderttausend Österreicher sollten sich vor ein bißchen Cholera fürchten?!

Die Zwetschgenkerne im Bogen auf’s Pflaster spuckend, nahmen die Rheinarbeiter ihren Weg zu irgend einer Schifferkneipe, um, nebst einem Cholerabittern, noch eine neue Gurke oder einen grünen Hering zu verzehren.