Leise legte sie ihm die Hand auf. Da schrak er zusammen und ließ den Tuschpinsel fallen. Rotwerdend, streckte er beide Hände über seine Malerei.

»Jleich, jleich, Mutter, jleich mach’ ich ja schon meine Aufjab’, schimpf nit!«

Was? Noch nicht die Schularbeiten gemacht?! Das war ihr doch außer’m Spaß. Zornig hob sie die Hand zum Schlag, aber Peter fing die auf und hielt sie fest.

Bittend sah er ihr in’s Gesicht.

»Ärjer dich nit,« schmeichelte er, »dann siehste jarstig aus. Ich kann doch nix dafor! In Vohwinkel war nit viel zu besehen, aber hier so viel, och, schrecklich viel! Bilder in allen Schaufensteren!« Seine Augen leuchteten auf. »Kuck emal, is dat nit fein?« Er hielt ihr vergnügt lachend sein Blatt hin. »Un nu mal’ ich noch dat alte Schloß, un den Rhein – dicke schwarze Wolken drüber un en Stücksken Blitzblau derzwischen – ich hab’ et so jesehen! Hau, dat war schön! Kauf mir doch noch ene Tuschkasten, aber ’ne bessere, Mutter, bitte, so ’ne richtige Farbkasten von Schönfeld! Bitte, Mutter, bitte!«

»Ne,« sagte sie, »da denk’ ich ja jar nit an, dann thuste für die Schul’ rein nix mehr.«

»Och, die Schul’,« stieß er heraus und hob mit einem Ruck den Kopf. »Wat soll ich dann noch da? Nimm mich doch eraus, Mutter, da lern’ ich ja doch nix. Kauf mir lieber ene Farbkasten, ich will Maler werden!«

»Unsinn,« sagte sie. »Leg’ dich hin un schlaf’! Morjen weck’ ich dich janz früh, dann lernste noch.«

»Aber ene Farbkasten schenkste mir,« bettelte er, »’ne Farbkasten, Mutter, thu et doch! Bitte, bitte!«

»Ne,« sagte sie wieder und ging aus der Thür. Aber ihr Herz klopfte.