Von Dank für alle seine Mühe und Arbeit wollte der Friedrich nichts wissen, auch nicht einmal für das der Schwester vorgestreckte Kapital.

»Du jiebst et mir ja wieder, Fina, paß ens auf, eine paar Jahr! Zinsen kannste mir ja zahlen, Jeschäft is Jeschäft! Ich rechen’ so: Krieg kriejen wir diesen Sommer sicher un jewiß, dann sollste ens sehn, dann jeht et dir im Kleinen, wie dem Krupp im Jroßen. Rückt die Armee in’t Feld, braucht se auch Ausrüstung, un ob et nu Stiefelschmier’ is oder en Kanon, dat bleibt sich janz jleich.« –

Friedrich hatte recht gehabt. Als Josefine heut am dunklen Herbstabend ihr kleines Lädchen schloß und die Kasse nachzählte, konnte sie zufrieden sein. Man hatte ihr fast den Laden gestürmt. Die letzten Reserven waren entlassen worden, keiner unter ihnen hielt den Ausmarsch aus der Garnison und den Einmarsch in die Heimat für möglich, ohne Stock in der Hand. Und bunte Sacktücher – gelb mit roten Rändern, die Schlacht von Königgrätz schwarz draufgedruckt, – war sie eine Menge losgeworden; denn das waren schöne Andenken für die Mitdabeigewesenen und interessante Anblicke für die Zuhausgebliebenen.

Die müde Frau gähnte und pustete dann die Lampe aus, die über der kleinen Theke von der Decke herabhing. Es war schon so spät, aber noch bis vor kurzem hatte die Thürglocke gebimmelt; jetzt endlich war Zapfenstreich geblasen und alles still geworden. Die Kaserne drüben streckte sich dunkel, nur in der Wachtstube flinzelte noch Lichtschein.

Es war Josefine eine Freude, daß die Hauptwache nicht mehr wie früher am Burgplatz, sondern hier gerade gegenüber war. So genoß sie täglich das militärische Schauspiel, und nachts auch weckte sie das ›Heraus‹ beim Nahen der Ronde. Dann lag sie lauschend mit gefalteten Händen, hörte, wie die Wache in’s Gewehr trat, und fühlte sich nicht mehr verlassen.

Mit heißen Wangen stieg Josefine die Treppe hinauf zu ihrer Wohnung. Im ganzen Haus war’s schon dunkel, nur in der Kammer, die ihre Knaben innehatten, brannte noch Licht.

Sie guckte hinein. Der Kleine schlief, aber Peter saß noch über den Tisch gebeugt und hörte die Mutter gar nicht. Ärgerlich trat sie näher.

Gewiß pinselte der wieder! Ob er denn seine Schulaufgaben auch fertig hatte? Dafür ließ sie ihn wahrhaftig nicht noch auf die teure Realschule gehen, daß er jedes freie Blättchen in seinen Heften verschmierte!

Sie sah ihm über die Schulter.

Herrjeh, das war ja der Kalvarienberg an der Lambertuskirch’! Genau so guckte der Gekreuzigte, wie hier auf dem Blatt! Nun konnte sie doch nicht mehr böse sein, er hatte das zu schön gemacht.