Da fiel ihr Blick auf den andern Zettel, der ihr vorhin aus dem Kästchen entfallen war. Sie hob ihn auf. Wie eine Vorschrift, groß und fest und deutlich, stand auf dem liniierten Schulheftblatt:
›Über alles die Ehre!‹
Das hatte ihr Vater geschrieben in letzter Stunde! Sie setzte sich nieder und dachte und starrte und starrte und dachte, bis ihr die Augen zufielen.
Ein Wagengerassel erweckte sie, ein recht langsames, müdes Räderrattern. Ah, da kamen sie endlich!
Verschlafen taumelte sie die Treppe hinunter. Von St. Anna schlug’s drei.
»Och Jott, och Jott, bis du’t, Ferdnand?«
Noch ganz verwirrt schaute sie in den Wagen, aber sie wurde gleich hell wach: da lehnten der Ferdinand und der Schnakenberg im Fond, nebeneinander, Arm in Arm, und schnarchten.
»He, Sie, Schnakenberg! Ferdnand!« Jetzt die wach kriegen!
Schmunzelnd stieg der Kutscher vom Bock. »Wollen Se nit jefälligst aussteijen, Herr Schnakenberg?« sagte er.
Mit vereinter Mühe weckten sie Herrn Schnakenberg. Verdutzt kroch der aus dem Wagen und wackelte hin und her auf seinen einknickenden Beinen, aber er lachte vergnügt und kniff die ärgerliche Josefine in die Backe.