Am 20. August wurde König Wilhelm, auf der Reise zum Kölner Florafest, in Düsseldorf erwartet.

Ein patriotischer Lokalpoet begrüßte ihn:

›O König, Führer du der Künste und Gewalten,

Mag Gott in Frieden dich noch lange uns erhalten!‹

Die gesamte Bürgerschaft jubelte Willkommen.

Als der Zug mit dem königlichen Gast in den Bahnhof einlief, flammte vom Turm der evangelischen Kirche ein riesiges, feuriges W; die Kaserne, das Präsidialgebäude, der Jägerhof, das Rathaus strahlten. Überall Illumination. Besonders das Hotel ›Zum Prinzen von Preußen‹ that sich hervor; das einst verbannte Schild thronte zwar längst wieder oben, heut aber war es wie ein Transparent durchglüht und zeigte in stolzem Freudenschein den prinzlichen Namen. Pechpfannen loderten, ein mächtiger Feueradler reckte seine Krallen.

Ein endloser Fackelzug – vierhundert Sebastian-Schützen voran – bildete Spalier. In der Königsallee quetschte sich die Volksmenge, einen Blick auf den Gefeierten zu erhaschen; die Hand mußte ihm ganz lahm werden vom vielen Grüßen. Kinder hingen auf Bäumen und Laternenpfählen; und auch Josefine stand auf einem Prellstein an der Benrather Brücke.

Eigentlich war es gar nicht ihre Absicht gewesen, gucken zu gehen. Nur auf dem Weg zu ihrer Mutter war sie in den Trubel geraten. Sie wunderte sich, daß die Bürger so laut jubelten, – hatten sie, vor nicht zu langer Zeit, nicht noch ebenso laut geschimpft?! Ganz verdutzt stand sie auf ihrem Prellstein; auch wenn sie gewollt, sie hätte nicht wieder herunter und weiter gekonnt, um sie breitete sich ein Meer von Köpfen, von winkenden Armen, von wehenden Taschentüchern.

Ein aufgeregtes Flüstern, ein Raunen und Tuscheln ging durch die Menge:

»Kömmt he?«