Die Kasernenbetten waren rasch belegt, die pflegenden Nonnen huschten auf leisen Sohlen hin und her, die gehetzten Ärzte reinigten ihre Sonden und griffen nach neuem Verbandzeug. Und auch Josefine lief der Schweiß vom Gesicht. Mit ihren starken Armen hatte sie manchen helfen in’s Bett heben, manch bleicher Kopf hatte an ihrer Brust geruht, während Arzt und Nonne den wunden Leib verbanden.

Helfen, helfen – an etwas andres hatte sie gar nicht denken können den ganzen Tag. Und die Nacht schlief sie zum erstenmal, seitdem der Peter ausgerückt, wieder ganz ruhig, so recht sanft, wie ein müder, von seinem Tagewerk befriedigter Mensch. Keiner jener wirren Träume, die sie so oft gequält, kam ihr; ihr Jüngster mußte sie am Morgen rütteln, sonst wäre sie gar nicht aufgewacht.

Das pausbäckige Knabengesicht war heute etwas blaß, es sah ängstlich und neugierig zugleich aus; auch der Invalide ging um die Schwester herum mit einem merkwürdig betroffenen Gesicht und einem etwas verlegenen Lächeln, er bemühte sich, besonders forsch zu sein, aber es mißlang. Doch Josefine merkte von alledem nichts, sie eilte nur, daß sie hinüberkam in ihre Kaserne. Dort fand sie gleich alle Hände voll zu thun; so hörte sie nichts von dem, was beängstigend durch alle Straßen lief, was bald wie ein hellloderndes Schadenfeuer den Leuten über den Köpfen zusammenschlug.

Endlich nähere Nachricht über Spicheren!

Furchtbarer Kampf, von größeren Dimensionen als nur geahnt. Starke Verluste, neununddreißiger Füsiliere im Feuer.

»Unsre Neununddreißiger, unsre braven Füsiliere!« Ein plötzlicher Schreck lähmte die Herzen, die noch eben in Siegesfreude hoch geschlagen. Das bei Spicheren war auch ein Sieg gewesen, aber niemand jubelte darüber. Wie eine Ahnung schweren Leides zog es durch die Stadt. Ach, wer hatte nicht einen Vater, einen Sohn, einen Bruder, einen Freund, einen Liebsten dabei?! Spicheren, Spicheren, – dies Wort bohrte sich ein, mitten in’s Herz, spitz wie eine Nadel.

Wer war verwundet?

Viele.

Wer war tot?

Viele.