Ein erregtes Gemurr summte, ein unterdrücktes Räsonnieren und Schimpfen. Knaben, die auf die Laternenpfähle geklettert waren und an den Simsen der Häuser hingen, streckten lang die Zunge heraus: ›Franzos’, Franzos’, rote Hos’!‹ Aber als nun die Schwarzen passierten, Kerle, wie mit Stiefelwichse beschmiert, die langen Leiber in schmutzig-weiße Burnusse gewickelt, mit den Zähnen klappernd unter dem heute trübverhangenen Himmel, da wurde die Empörung ganz laut.

»Wie se de Zähn’ fletschen! Un so en Biester hat de Napoleon auf unsre Junges jehetzt?!«

Ja, nun glaubte man’s, was man wie ein Märchen angehört: daß diese braunen Teufel schreckliche Schandthaten an Verwundeten und Toten verübt, ihnen die Augen ausgestochen, die Finger abgehackt hatten, um so manchem treuen Landwehrmann den Ehering von der im Todeskampf zusammengekrallten Hand zu ziehen.

»Schlagt se tot, die Schweinhund’!«

Es war gut, daß Polizei aufgeboten war, und daß die den Transport geleitenden Unteroffiziere die Waffe blank trugen.

Und gar per Droschke wurden noch die meisten transportiert, konnten die Kerle nicht bis zur Kaserne laufen?! Die Erbitterung wuchs und wuchs, um plötzlich einem langgezogenen, zitternden ›Ah –!‹ Platz zu machen. Man wich zurück und stellte sich doch auf die Zehen: »St, st! Ein Toter!«

Von vier Männern getragen, schwankte die Bahre, von einer Pferdedecke überspreitet.

O, der Arme war auf dem Transport, eben vor der Ankunft, gestorben! War’s ein Deutscher, ein Franzose?! Man wußte es nicht. Man sah nichts von ihm, nur eine kräftige junge Hand hing schlapp an der Seite unter der Decke vor. Der jähe Tod hatte dieser jungen, kräftigen Hand nichts anhaben können, sie war noch mannhaft und muskulös; nur gebleicht war sie, wie weißes Wachs.

Eine plötzliche Beklemmung war über die Zuschauer gekommen, und als ein Gassenjunge noch kreischte: ›Franzos’, Franzos’,‹ da zog ihn ein ehrsamer Bürger am Schlaffitchen vom Laternenpfahl herunter und gab ihm einen tüchtigen hinten vor.

Im tiefsten Schweigen setzte der Zug seinen Weg fort. Still, still! Immer neue kamen vom Rhein herauf, Wagen, Bahren und mühsam Daherschreitende. Der, mit dem umwickelten Kopf, sich taumelnd auf den stützend, der den Arm in der Binde trägt. Alles durcheinander, preußische, bayrische und französische Uniformen – Arme, Elende, Beladene. Leichtverwundete, Schwerverwundete, aber alle todesmatt, seufzend, in Schmerzen ächzend. –