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Am 18. Januar ließ sich der greise König Wilhelm im Hauptquartier zu Versailles vom starken Bismarck die junge Krone des auferstandenen Deutschland auf die Stirn drücken.
Das war eine Erfüllung.
Der Rhein rauschte mächtig, und in sein Rauschen mischte sich der Jubelhall der Ufer. Nun waren Wünsche erfüllt, die man längst als hoffnungslos begraben.
Warum hatte man denn einst laut gemurrt und die rote Fahne gehißt auf den Barrikaden? Warum hatte man ein ununterdrückbares Sehnen getragen all die Jahre? Warum hatte man des Volkes Jugend hingegeben auf Schlachtfeldern? Alles nur darum.
Es war ja die alte Märchenkrone, die so lange im Rhein geruht, tief unten. Nun sollte sie erstehen in neuem Glanz; sie blinkte golden wie die Sonne.
Und wie die Sonne würde sie glänzen, mit gleicher Fülle über alle, über ein einiges und über ein freies Volk.
Manch alter Achtundvierziger, manch roter Demokrat jubelte mit; alles Volk freute sich.
Zwar kamen noch immer Verwundete, zwar rückte noch immer neuer Landwehrersatz aus; aber man glaubte nicht mehr an Schlachten. Das große Paris kapitulierte, das so hartnäckige Belfort folgte – nun war das Eis gebrochen.
Und Tauwetter flutete über die so lange winterliche Natur. Das erste Starenpaar war in Josefines Gärtchen erschienen und bezog häuslich den Kasten im Birnbaum. Der Lenz brach also wirklich an.