Schweren Tritts ging er zu seinem Platz am Fenster zurück. Jetzt war er wieder allein und doch nicht allein, ihm war, als hätten die Wände das Schluchzen des Weibes eingeschluckt und gäben es nun wider in einem langgezogenen, spottenden Echo. Jedes Wort: ›Du bist an allem Verdruß schuld – du Preuß’ ohne Glauben – du – du‹ – warum sagte sie es nicht gleich gerade heraus: ›Du hast mich unglücklich gemacht!‹ Unglücklich?! Ach was, der ging’s ja gar nicht so tief – heut unglücklich, morgen kreuzfidel! Wer doch auch so sein könnte! Auf – nieder, wie ein Stehaufmännchen, das die Buben aus Hollundermark schneiden. Aber dazu mußte man hier zu Lande geboren sein, mit der Muttermilch ihn in den Leib gekriegt haben, den bequemen Leichtsinn!
*
Der Feldwebel saß schon eine Viertelstunde, ohne sich zu rühren, ohne den starren Blick des Auges, der immer auf einem Punkt der Diele haftete, zu mildern.
Ein Trappeln auf dem Flur wurde laut.
Josefine kam heim mit den Geschwistern; mit Hallo jagten sie sich draußen und stürmten nun in die Stube. Erschrocken fuhren die Knaben zusammen und duckten sich – da saß ja der Vater! Nur Josefine lief auf ihn zu.
Bemerkte er sie denn nicht? Fast beleidigt zupfte sie ihn: »Vater!«
»Ich wollte, es gäbe Krieg,« murmelte er. Und dann fuhr er auf: »Wer da – ah du! Na, Josefine?«
Sie lachte ihn an.
Da fiel’s ihm auf, wie sah sie denn aus? Das ganze Haar in Papilloten gedreht, ein Wickel neben dem andern.
»Nanu, was hast du denn angestellt?« Verwundert tippte er sie auf den Kopf.