»Jarstig, jelt, Vater? Aber morjen, da sollste ens kucken, da werd’ ich aber auch dafor fein jemacht!« Jubelnd schlug sie die Hände zusammen. »Lauter Löckskes, de Jroßmutter hat se mer eben einjedreht! Un en weiß’ Kleid mit lauter Säumcher! Un ene blaue Kranz krieg’ ich auf de Locken! Ich trag’ dat Herz Jesu auf’m Kissen!«

»Was – was trägst du?« Plötzlich aufmerkend sah er sie an. »Was redste für Unsinn? Herz Jesu – weiß Kleid – blauen Kranz – wozu – weswegen?«

»No, morjen is doch Fronleichnam! Prozession nach’m Calvarienberg an der jroße Kirch’.« Ganz bestürzt sah sie ihn an. »Dat weißte nit? Wer am besten in jeder Klass’ is, darf wat tragen. Eine aus der untersten Klass’ trägt et Lämmchen, en janz Jroße trägt en Fahn’, un ich« – mit stolz leuchtendem Gesicht reckte sie sich vor ihrem Vater – »ich krieg’ et Kissen!«

Er hatte sie ausreden lassen, jetzt fuhr er auf mit einem Fluch; erschrocken prallte sie zurück, er rannte sie fast über den Haufen.

»Frau!« Da stand er, die Fäuste geballt, das Gesicht fahl. Und als Trina nicht gleich hörte noch einmal: »Frau!«

Jetzt kam sie.

Er schrie sie an: »Weibsbild, verdammtes, denkste, du kannst Schindluder mit mir spielen? Oho, untersteh dich!« Mit wilden Augen sah er sie an.

»No, wat is dann als schon wieder?« rief sie halb trotzig, halb kleinlaut.

»Ich sag’ dir, ich bin kein Esel, du machst mir kein X für ein U. Was treibst du hinter meinem Rücken für Allotria – he?« Er packte in seiner Wut das erste beste, was ihm unter die Hände kam – das Gebetbuch war’s – riß es vom Tisch und warf es ihr vor die Füße. Die Blätter flogen.

Zitternd bückte sie sich und las ihre geweihten Palmzweiglein, ihre bunten Heiligenbildchen zusammen. Sie wußte selbst nicht, woher ihr der Mut kam, sie war empört: »Au, meine Bildches, wat fällt dich ein?«