Er riß ihr die Bildchen aus der Hand und zerfetzte sie. »Da – da! Und ich sag’ dir, jetzt hat’s en Ende, das alle Morgen in die Messe-rennen und das im Beichtstuhl-hocken! Jetzt weiß ich, warum du heulst! In den Ohren liegen sie dir: katholisch sollen die Kinder werden! Katholisch wollt ihr die Josefine machen! Keinen Schritt geht sie mit zur Prozession! Mir allein hast du zu parieren – verstanden? Nich gemuckt. Und nu: in die Küche! Geh an deinen Herd, koch, die Kinder wollen essen.«
Sonst drückte Trina sich gern, wenn Rinke schalt, heute blieb sie wie angewurzelt stehen.
Er drehte ihr den Rücken. Die Knaben, die scheu an der Thür gehorcht, hatten sich verkrochen; nur Josefine stand da, unbeweglich, und sah den Vater starr an. Sie war ganz blaß geworden.
Er rief sie zu sich, langsam kam sie. »Josefine,« sagte er in etwas gemäßigterem Ton, »geh, wickel dir das Haar aus, komm mir so nich mehr unter die Augen!« Und als sie gehen wollte: »Halt! Heut war’s das letzte Mal, daß du zu den Ursulinerinnen gegangen bist, verstanden? Ich wer’ denen das Handwerk wohl legen!« Die Wut flammte wieder in ihm auf: »Weg mit dem Firlefanz!«
Er selber griff ihr in die Haare und zerrte ihr einen Papierwickel heraus; es mußte weh thun, aber sie rührte sich nicht.
»Ich verbiete dir auch, nach der Ratingerstraße zu gehen – hörst du, von heut ab! Keinen Schritt dahin – hörst du? Antwort!«
»Ja.«
»Und mir allein hast du zu gehorchen – mir allein, hörst du?« Eisern klang jedes Wort. »Niemand anderm, auch nicht – auch nicht deiner Mutter – denn –«
Jetzt zuckte das Kind zusammen, Frau Trina hatte ein wimmerndes Schluchzen hören lassen.
Mit einem Ruck riß sich Josefine vom Vater los und warf sich mit einem lauten Aufschrei der Mutter an den Hals: »Mutter, wein’ nit! Wein’ doch nit, ich hab’ dich auch lieb! Och ’n doch, Mutter, ich hab’ dich lieb – Mutter, Mutter!«