»Josefine!« Der Feldwebel rief, aber vergebens. Zum erstenmal in ihrem Leben gehorchte ihm die Tochter nicht.
»Josefine!«
Sie schüttelte nur verneinend in leidenschaftlichem Weinen den Kopf an der Brust der Mutter, um die sie, wie zum Schutz, ihre beiden Arme schlang.
»Josefine!« Es klang fast bittend.
Sie rührte sich nicht.
Da rief der Feldwebel nicht mehr. Ein paar Augenblicke stand er, wie vor den Kopf geschlagen, dann stolperte er zur Thür. Im Finstern tappte er die Holzstiege hinunter, und in’s Finstere lief er hinaus. – – –
[4] däuen: schieben.
[5] trecken: ziehen.
VI
Eigentlich war es schon Winter. Die Düsseldorfer Hausfrauen hatten längst ihren Herbsthausputz vollendet, jedes Sommerstäubchen war ausgefegt, blitzblank schauten die Fenster auf das saubere Trottoir. Und doch war es noch nicht Winter, denn der November ließ sich an wie ein Oktober. Die Kastanien in der Königsallee waren noch nicht gänzlich entlaubt, im Hofgarten blühten noch Dalien und Georginen; Allerheiligen war lange vorbei, und doch dufteten noch bleiche Rosen auf den Gräbern. Vom Rhein kam ein lindfeuchtes Wehen, kein Wind. Die niederen Wiesen jenseits des Flusses schimmerten noch frischgrün, die Weidenbüsche standen wie im Saft.