Gut Wetter zum Martinsabend.

Josefine Rinke freute sich: heut abend würden sie alle mit dem Laternchen gehen; nur die arme Mutter durfte nicht mit, der Vater fand das zu lächerlich.

Zint Mäten, Zint Mäten![6]

Sie machte einen kleinen Hops, aber dann besann sie sich und steckte die Nase wieder in’s Buch, das sie, aufgeschlagen, vor sich her trug. Sie lernte noch auf dem Schulweg.

Jetzt war sie keine so gute Schülerin mehr, wie damals bei den Ursulinerinnen. Seit anderthalb Jahren ging sie in die evangelische höhere Töchterschule in der Kanalstraße, die unter dem Protektorat der Prinzessin Luise, der erlauchten Gemahlin Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich von Preußen stand, der im Jägerhofschlößchen am Hofgarten residierte.

Der Feldwebel war nicht wenig stolz darauf und auch seinem Hauptmann nicht wenig dankbar, der ihn, als er sich damals, da der Schulbesuch Josefines bei den Ursulinerinnen jäh abbrach, ratsuchend an ihn gewandt, dem früheren Garnisonprediger und jetzigen Regierungsschulrat empfohlen. Der leutselige Beamte hatte ein Einsehen gehabt, durch eine Ermäßigung des Schulgeldes wurde es dem bewährten, langgedienten Soldaten ermöglicht, seine Tochter einer höheren Bildung teilhaftig werden zu lassen. Von der Zeit an hatte sich der Feldwebel die einzige abendliche Pfeife abgewöhnt – das Schulgeld war für seine Verhältnisse noch immer hoch genug. –

Josefine schlenderte langsam, ihre Schulsachen in einem Lederriemen unter den Arm gepreßt. Gut, daß die Straße noch still war, um halb acht in der Frühe! Nur ein Hammer Gemüsekarren rumpelte, und eine Milchfrau trug ihren Rahm aus. Josefine mußte nachholen, was sie gestern versäumt; das große Bataillonsexerzieren hatte all ihre Zeit in Anspruch genommen, und die deutsche Orthographie wollte ihr so wie so schwer in den Kopf.

Ein schwarzlockiges Mädchen kam hinter ihr drein gerannt: »Fina! Finchen!«

Sie hörte nicht.

Nun zupfte sie die Schwarzlockige leicht am Jackenschoß. »Hörst du denn gar nicht?«