»Bis still,« tröstete Josefine, »ich bring’ dir morjen welche mit nach der Schul’. Meine Jroßmutter backt se aber lecker! Aus Buchweizenmehl mit Korinthen, in Leinöl. Un dann in Syrup gestippt – ha!« Sie klopfte sich mit einem strahlenden Gesicht auf den Magen. »Ich kann ’r en Dutzend essen. Wenn ’t nur schon Abend wär!« Trällernd machte sie einen Freudensprung: »Zintmäten, Zintmäten, de Kälber –«

»Gott, Fina!« Erschrocken hielt ihr Cäcilie den Mund zu. »Was sollen die Leute von uns denken?«

Ein paar Jünglinge drehten sich eben nach den beiden Mädchen um. Cäcilie wurde rot und schlug verschämt die Augen nieder, Josefine aber schnitt eine Fratze: »Dumme Junges! Zintmäten, Zintmäten! Adjüs, Cilli, letzt!« Kräftig schlug sie die Freundin auf den Rücken.

»Vergiß nicht – um sieben Uhr – am Jan Willem,« rief ihr Cäcilie nach.

Fina hörte schon nicht mehr. Da rannte sie hin, daß ihr halblanger Rock flatterte, und man ihre weißbestrumpften Beine bis zum Knie sah. –

Peter Zillges war nicht für die neumodischen Papierlaternen; er hatte seinen Enkeln Kürbisse ausgehöhlt, ihre Namen und allerlei andres hineingeritzt: Gesichter, und Sonne, Mond und Sterne. Die Zeichnungen waren unvollkommen – Großvaters Hand hatte schon sehr gezittert – aber schimmerte ein Lichtchen von innen durch, machte sich solch ein Kürbis doch wunderbar schön.

Vom ›Bunten Vogel‹ zogen die Geschwister am Abend aus. Josefine trug ihren Kürbis, der groß und gelb wie ein Holländer Käse war, auf einem Stock; die Brüder schwenkten ihre kleineren an Bindfadenschnüren. Die Kinder sangen; hell klangen ihre Stimmen in den lauen Abend hinaus.

Und von nah und fern, vom andern Ende der Ratinger-, von der Ritter- und der Mühlenstraße, vom Hunsrück und der Mertensgasse, von allen Seiten fielen Kinderstimmen ein, hoch und tief, rein und falsch, durchdringend wie Pfeifenton, jubelnd wie Trompetenfanfaren: »Zintmäten, Zintmäten!«

Wie Glühwürmchen funkelt es auf in den dunkeln Straßen, an den Häusern zieht es vorbei in bunten Reihen, über den Köpfen wogen und wirren schwanke Lichter in Weiß und Gelb, in Rot und Grün. Licht, Licht – ein Meer von schwankenden Lichtern! Ganze Kinderscharen haben sich zusammengefunden beim Klang einer Schelle; und wo sich Knaben und Mädchen begegnen, pusten sie sich in die Laternen, und die Buben singen grob:

»Zintmäte, Zintmäte.