Sorgsam zog Josefine die Kellerthür hinter sich zu. Nun waren sie ganz im Dunkeln. Eine feuchtwarme, schwere, moderdurchschwängerte Luft hüllte sie ein. Viktor verging der Atem, tastend griff er um sich.

»Bis still,« flüsterte Josefine. Und nun flammte es auf, sie hatte ein Streichhölzchen angerieben; ein Kerzenstümpfchen holte sie aus der Tasche und steckte es an.

Jetzt sahen sie: wenige glitschige Stufen hinunter, und da war schon das Wasser. Schwarz wie Tinte, regungslos stand’s unter dem Gewölbe. Eine große, ovale Waschbütte schaukelte wie ein Nachen am Treppenpfosten.

Hand in Hand blieben sie auf der untersten, schon bespülten Stufe stehen; Josefine hatte das Lichtstümpfchen niedergestellt, nun warf es flackernden Schein auf die fahle Kellerwand gegenüber und zeigte ihnen ihre Schatten wunderlich groß. Sonst schien alles versunken in der dunkel gähnenden, geheimnisvollen Höhle.

»Fahr’ mich,« hauchte sie bittend.

Und so fuhren sie in der Bütte; sie mit den Händen im schwarzen Wasser plätschernd, er ein paar aufgefischte Holzscheite als Ruder benutzend. Langsam paddelten sie umher. Sie sprachen kein Wort – alles still – auch von außen kein Laut. Da war eine versunkene Stadt, und sie beide schwammen allein miteinander, mutterseelenallein, auf einem weiten, weiten Meer.

Ein immerwährendes, glückliches Lächeln lag auf Josefines Gesicht.

»Fahr’ mich noch mehr, fahr’, fahr’!« Mit auf die Seite geneigtem Kopf sah sie den Jüngling selig an.

Viktor machte eine ungeschickte Bewegung – da – die Bütte drehte sich, schwankte, heftig puffte sie gegen die unterste Treppenstufe; das Lichtstümpfchen erlosch.

Josefine stieß einen leisen Schrei aus, der Nachen legte sich auf die Seite; aber schon hatte Viktor sie umfaßt. Mit kräftigem Arm hob er sie auf die Stufe.