»Adjüs!« sagte er heiser. Dann riß er die Thür auf.
An Mutter und Schwester vorbei stürzend, flüchtete er die Treppe hinunter. Vergebens riefen sie ihm nach.
Als die Frauen bestürzt in die Stube traten, saß der Feldwebel wieder vor seiner Zeitung, anscheinend ganz vertieft. Aber Josefine fand, der Vater hatte eine seltsam gramvolle Miene.
[8] Meister.
VIII
Schnee, Schnee, überall Schnee. An die Mauern war er angeweht worden und klebte in allen Ritzen; in den Fensterecken hatte er Polster aufgeschichtet, vor die Hausthüren hatte er sich gelagert, über die abschüssigen Dächer war er heruntergerutscht und hing nun drohend in den Rinnen.
Die Bäume der Königsallee, die schon dicke, zum aufplatzen geschwellte Knospen gezeigt, hatten alle Frühlingsträume vergessen; sie standen in Sterbehemden. Der weite Exerzierplatz war von einem Leichentuch überdeckt, kein Tritt schallte, kein Kommando ertönte.
Frau Trina seufzte fröstelnd, als sie am sonnenlosen Spätnachmittag beim Fenster saß. Auf ihrem Schoß lag eine alte Hose ihres Mannes – wie mit Pechdraht genäht! Das war eine mühselige Arbeit, den roten Vorstoß herauszutrennen; aber man konnte doch die Jungen nicht herumlaufen lassen wie gezeichnet. Immer wieder ließ sie die Hände sinken, zuletzt lehnte sie den Rücken an und schloß die Augen.
Aber sie nickte nicht ein, wie sonst wohl gern, eine bange Unruhe hatte sie heut zu keinem Schläfchen kommen lassen. Den ganzen Tag schon lag es ihr in den Gliedern, ein garstiger Rabe hatte heut morgen unter dem Fenster gekrächzt – was wohl der Wilhelm machen mochte? Der arme Junge, hatte der gestern einen Sonntag gehabt! Es würde wohl kein Unglück sein, wenn der sich mal ein kleines Pläsier gemacht hatte, statt den ganzen Sonntagnachmittag in der muffigen Kaserne zu sitzen! Prügel hatte er dafür bekommen – Prügel!
Ein wahrer Zorn erhob sich in Frau Trinas Seele: mußte denn gleich zugehauen werden? Und immer geschnauzt?! Ach, was war sie doch so dumm gewesen! Hätte sie lieber dazumal den Schnakenbergs Hendrich aus der Windmühl’ geheiratet, wie gut hätte sie’s jetzt! Ein Kanapee, und Hörtchens vor’m Fenster und keine Sorgen. Dem seine Frau ließ es sich wohl sein. Ach, und es war doch auch etwas ganz andres, in einer Straße zu wohnen – sie warf einen mißbilligenden Blick hinaus auf den Platz – mal Menschen zu sehen, nicht bloß Soldaten!