Seufzend stand sie auf und ging nebenan in die Schlafkammer. Da holte sie aus der Lade ihr Gebetbuch vor; wahrhaftig, ein Trost that ihr not!
Sie schlug es auf. Wie das paßte:
›Ich muß leiden und durch geduldige Ertragung der Leiden mich für den Himmel befähigen.‹
»Ach ja!« Sie sank in die Kniee vor der alten tannenen Lade und las, die Hände gefaltet, das Gebet an Maria um Geduld.
›Ich bedarf in meinen Leiden des Trostes zur Erleichterung, der Stärke zur geduldigen Ertragung derselben – beide suche ich bei dir, o schmerzvolle Mutter!‹
Schmerzvolle Mutter! Die Thränen, die schon lange lose gesessen, fingen Frau Trina an zu rinnen, sie dachte an ihren Wilhelm.
Aber sie las weiter:
›Du tröstest mich in den Bedrängnissen mit der lebendigen Hoffnung auf den herrlichen Lohn, der auf die Leiden dieser Zeit folgt.‹
Und eine große Erleichterung kam über sie. Sie las noch viele Gebete, auch solche, die nicht auf ihre jetzige Kümmernis paßten; aber alle verschafften ihr Ruhe. –
Draußen, jenseits des Flurs, trällerte Josefine in der Küche. Sie schrubbte die Dielen, daß Holzsplitterchen und schmutziges Wasser spritzten.