Ein paar verfrühte Fastnachtsgecken, die in spitzen Papiermützen zu einer Vor-Karnevalssitzung eilten, streiften an ihm vorbei. »Wat sühste schläch uhs!« gröhlte der eine und streckte ihm seine lange Nase von Papiermaché in’s Gesicht.
Erschrocken fuhr der Versunkene zusammen, unwillkürlich legte er die Hand an’s Seitengewehr. Mit lautem »Helau!« entsprangen die fröhlichen Gesellen. Er fluchte hinter ihnen drein – verdammte Zucht!
Jetzt war die Straße nächtlich still. Wie ausgeschnittene Silhouetten, scharf umrissen, hoben sich die Häuser in langer Reihe vom mondhellen Himmel. Und Sterne glitzerten und flimmerten, wie in einer bitter kalten Winternacht, und auf dem Pflaster blinkte es von lauter Diamanten.
Donnerwetter, wie kalt! Der Einsame rüttelte sich in einem Frostschauer; und dann machte er plötzlich Kehrt, war mit wenigen Sätzen um die Kasernenstraßenecke und eilte weit ausholenden Schrittes die Mittelallee zum Hofgarten hinauf. Zum Hofgarten!
Wie hatte doch das geschwätzige Weib gesagt? – ›Da haben sie ’nen jungen Menschen gefunden, auf ’ner Bank eingeschlafen – erfroren!‹ Unsinn! Der Junge saß irgendwo warm; der wußte ja Bescheid, der war kein fremd zugewanderter Handwerksbursche! Und doch mußte der Vater immerfort an diese Worte denken; sie peinigten ihn.
Der Atem ging ihm wie Rauch aus dem Mund; es war kalt, und doch stand ihm der Schweiß auf der Stirn, als er den Hofgarten erreichte. An dessen Rand, in der Nähe des Eiskellerberges, stöberte er noch ein paar Rheinkadetten mit ihren Frauenzimmern auf; am Napoleonsberg traf er schon keinen Menschen mehr.
Ganz allein stand er auf dem Hügel und starrte hinunter zum Rhein; ein eisiger Hauch stieg von dort empor. Die Wellen im Sicherheitshafen rührten sich nicht, sie glänzten wie starres Metall. Doch jetzt, ein Knirschen, ein Plätschern, ein Glucksen – horch, klang da nicht ein dumpfer Ruf?!
»Wilhelm! Wilhelm!«
Es preßte dem Vater einen Schrei aus; laut hallte der Angstruf weit über den Rhein.
Noch einmal: »Wilhelm, Wilhelm!«