Die Wachen sahen ihn; jetzt machten sie Kehrt und nahmen, Gewehr über, ihr unterbrochenes Hin- und Herwandeln wieder auf.
Ah, sehr gut, Kerle hatten nicht geschlafen!
Rinke war wieder ganz bei sich. Blödsinn, hier herumzulaufen bei nacht! Da war ja das Schloß; dunkel lag es auch schon, nur oben im breiten Mittelfenster des ersten Stockwerks war noch Licht. Man sah den Kristalllüster blitzen. Ihre Königlichen Hoheiten, der Prinz Friedrich und seine erlauchte Gemahlin, waren noch auf!
Unwillkürlich stand der Feldwebel stramm; wie ein großes, strahlendes Auge grüßte ihn das hell erleuchtete Fenster, wie Sterne funkelten die Kerzen des Schlosses durch die Nacht.
Ruhiger ging er fort. Gleich einer sanften Tröstung nahm er noch einen Lichtschimmer von da oben mit auf den Weg.
Treue, Tapferkeit und Gehorsam – diese drei – Pflichtgefühl und Ehre – aber die Ehre ist die größte unter ihnen!
Und war sein Wilhelm auch kein Soldat, als Soldatensohn mußte er wissen, was ›Ehre haben‹ heißt; er mußte es lernen. Nein – der Feldwebel schüttelte den Kopf – zu streng war er nicht gewesen!
Er hatte nur seine Pflicht erfüllt gegen sein Kind.
Nun hatte er Frieden mit sich selber gemacht, wie er wähnte. Er ging heim, sehr müde; ruhig zu schlafen gedachte er, aber jäh fuhr er auf nach kurzem, wildem Träumen, mit dem Schlafen war’s nichts. Er beneidete seiner Frau den friedlichen Schlummer. Die lag mit gefalteten Händen, ein behagliches Lächeln um den Mund.
Noch vor dem Reveilleblasen weckte er sie. Länger konnte er’s nicht mehr verschweigen, er mußte ihr Mitteilung machen von Wilhelms Verschwinden. Seine Stimme klang gepreßt, von neuem fühlte er sein Herz pochen in peinvoller Unruhe. Und sie, was würde sie erst sagen?!