Es schien ihm etwas zu lauern hinter jener dicken Kiefer – stand da nicht ein Jäger und legte an, bereit, ihm einen Pfeil durchs Herz zu schießen?! Das Schweigen beängstigte ihn. Dieses große Schweigen war furchtbar. Dröhnend zwar hallten die Hiebe der Axt und lockten drüben über dem See ein Echo, unbeirrt zwar tat Cilla ihr Werk – er bewunderte die Kaltblütigkeit des Mädchens –, aber die Drohung, die in diesem Schweigen lag, minderte sich nicht.
Schauer auf Schauer durchrann den verstörten Mann: nein, jetzt wußte er’s, – ach, wie fühlte er’s deutlich – gegen diese unsichtbare Gewalt kam niemand an. Hier war alles vergebens!
Ein großer Schmerz überkam ihn. Mit beiden Händen packte er in die eiskalten Schollen, die das Mädchen losgehackt hatte, und sammelte sie in den Eimer; er riß sich, er schnitt sich an den zackigen Rändern, die scharf waren wie Glas, aber er fühlte den körperlichen Schmerz nicht. Das Blut rann ihm in Tropfen über die Finger.
Und aus seinen Augen begann jetzt auch etwas zu rinnen, schwer und zäh tropfte es über seine Wangen – langsame, fast widerwillige Tränen. Aber doch heiße Tränen eines Vaters, der um sein Kind weint.
4
»Jotte, nee, was biste jroß jeworden,« sagte Frau Lämke, »nu wird man woll bald ›Sie‹ zu dich sagen müssen und ›junger Herr‹?!«
»Nie!« Wolfgang fiel ihr um den Hals.
Die Frau war ganz verdutzt: war das denn noch der Wolfgang? Der war ja kaum wiederzuerkennen seit der Krankheit – so umgänglich! Und war er auch immer ein guter Junge gewesen, so zärtlich war er früher doch nie gewesen?! Und wie lustig er war, er lachte, seine Augen blinkerten ordentlich wie geputzt!
Wolfgang war voll Lebenslust und einer immerwährenden unbändigen Freude. Er wußte gar nicht wohin damit. Keinen Augenblick konnte er stille sitzen, in seinen Armen zuckte es, seine Füße scharrten den Boden.