Sie antwortete nicht, sie verharrte stumm. Aber dann, mit einer jähen Bewegung das glänzende Grün von sich schleudernd, wendete sie sich ab und lief fort von ihm, blindlings, weglos ins Venn hinein.

»Käte, was ist dir denn?!« Erschrocken hastete er hinter ihr her; sie lief so rasch, daß er sie nicht gleich einholen konnte. »Käte, du wirst noch hinstürzen! Aber so warte doch! Käte, was hast du?!«

Keine Antwort. Aber an den zuckenden Bewegungen ihrer Schultern sah er, daß sie heftig weinte. Ach, was war das nun wieder?! Bekümmert war sein Gesicht, als er hinter ihr drein rannte übers öde Venn. Sollte es denn nie besser mit ihr werden? Da sank einem ja wahrhaftig jeglicher Lebensmut! Es war auch eine Torheit gewesen, sie hierher zu bringen – geradezu eine Verrücktheit! Hier war ja keine Heiterkeit zu finden. Eine Trostlosigkeit lauerte in dieser unbegrenzten Weite, eine schreckhafte Härte in dieser herb duftenden Luft, eine unerträgliche Schwermut in dieser großen Stille!

Schlieben hörte nur das eigne erregte Atmen. Immer rascher lief er, eine heftige Angst um seine Frau erfaßte ihn plötzlich. Jetzt hatte er sie beinahe erreicht – schon streckte er die Hand aus, sie am flatternden Kleid zu haschen – da drehte sie sich um, warf sich ihm an die Brust und schluchzte: »Ach, hier ist beides: Blüte und Frucht! Aber unsre Myrte ist abgeblüht und hat nicht Frucht getragen – nicht Frucht – wir armen Leute!«

Also das – das war’s wieder?! Verwünscht! Er, der sonst so Gemäßigte, stampfte heftig mit dem Fuß auf; Zorn, Scham und ein gewisses Schmerzgefühl jagten ihm das Blut zu Kopfe. Da stand er nun in einer Ödenei, hielt seine zum Erbarmen weinende Frau in den Armen und kam sich selber höchst kläglich vor.

»Sei nicht böse, sei nicht böse,« bat sie und drückte sich fester an ihn. »Siehst du, hier hatte ich gehofft – ach, so bestimmt gehofft – gewartet – ich weiß selbst nicht recht auf was, aber immer gewartet – und heute – eben ist mir’s klar geworden: es war doch alles, alles umsonst! Laß mich weinen!«

Und sie weinte wie jemand, dem alle Hoffnung gestorben ist.

Was sollte er ihr sagen? Wie sie trösten? Er wagte kein Wort, strich ihr nur sacht übers heiße Gesicht und fühlte, wie auch ihn ein Gefühl beschlich, das Gefühl, das er nicht immer die Kraft hatte, beiseite zu schieben.

So standen sie lange stumm, bis er, sich zusammennehmend, in einem Ton, der gleichgültig-ruhig zu klingen bemüht war, sagte: »Wir müssen zurückgehen, wir sind hier ganz in die Wildnis geraten. Komm, nimm meinen Arm! Du bist übermüdet, und wenn wir – – –«

»Still,« unterbrach sie ihn und ließ hastig seinen Arm fahren. »Wieder wie vorhin! Es klagt was!«