»Der Junge ist wohl schrecklich spät nach Hause gekommen,« fragte Paul beim Frühstück. »Wohl vielmehr früh? Was?«

»O nein! Gleich nachdem du heraufgegangen warst!«

»So? Ich habe aber noch eine ganze Weile wach gelegen!«

Er hatte es leichthin gesagt, ohne jeden Argwohn, aber sie bekam doch einen Schrecken. »Wir – wir – er hat mir noch eine ganze Weile erzählt,« brachte sie stockend heraus.

»Töricht,« sagte er, weiter nichts und schüttelte den Kopf.

O, es war doch schwer, zu lügen! In welche Lage brachte Wolfgang sie!

Als Schlieben zur Stadt gefahren war, die Köchin unten im Souterrain wirtschaftete und Friedrich im Garten, belauerte Käte das Hausmädchen: wie lange brauchte das denn heute im Schlafzimmer? Scharf sagte sie: »Sie müssen rascher hier oben aufräumen, Sie sind ja über die Maßen langsam!«

Ganz verwundert über den ungewohnten Ton sah die Dienerin ihre Herrin an und sagte nachher unten zur Köchin: »Hu, ist die Gnäd’ge heute schlechter Laune, hat die mich gehetzt!«

Käte hatte dabei gestanden, bis das Aufräumen des Schlafzimmers beendet war, sie hatte das Mädchen förmlich gejagt. Nun war sie allein, ganz allein mit ihm hier oben, nun konnte sie sehen, was mit ihm war!

Würde er noch betrunken sein?! Als sie vor seiner Türe stand, hielt sie den Atem an; das Ohr geneigt, lauschte sie. Drinnen war nichts zu hören, nicht einmal ein Atemzug. Wie ein Dieb, sich scheu umblickend, schloß sie auf und schlich hinein, hinter sich wieder zuschließend. Vorsichtig, leise trat sie auf das Bett zu; doch so hastig fuhr sie zurück, daß der hochlehnige Stuhl, an den sie stieß, mit Gepolter umstürzte. Was war das – da – was?!