Eine seltsame Bewegung überkam ihn; aber er wendete sich ab: was ging sie das fremde Kind an?! Und doch gestand er zögernd zu: »Freilich, hierlassen können wir’s nicht! Weißt du was? Wir wollen es bis zur Baraque mitnehmen. Gib her, ich will es tragen!«

Aber sie wollte es selber tragen, sie ließ sich nur von ihm auf die Füße helfen. »So – so – komm, mein liebes Kindchen!« Behutsam hob sie den Fuß zum ersten Schritt – da bannte ein Ruf sie an die Stelle.

»Heela!«

Eine rauhe Stimme hatte das gerufen. Und nun kam ein Weib auf sie zu; die Gestalt im flatternden Rock hob sich groß und scharf ab von dem sie umflutenden lichten Äther.

Woher kam die so plötzlich? Dort, hinter dem Erdwall her, den man bei der Torfgrube ausgeworfen hatte! Sie war auf allen Vieren gekrochen und hatte Beeren gepflückt; ein fast gefüllter Eimer hing ihr am Arm, und in der Rechten trug sie das hölzerne Maß und den großen, knöchernen Pferdekamm, mit dem die Beeren abgestreift werden.

Das war die Mutter! Ein tiefer Schreck befiel Käte, sie wurde blaß.

Auch Schlieben war betroffen; aber dann atmete er erleichtert auf: so war’s entschieden die beste Lösung! Natürlich, man hätte es sich ja gleich denken können, wie sollte das Kind wohl ganz allein ins öde Venn kommen?! Die Mutter hatte Beeren gesucht und es derweilen hier niedergelegt!

Die Frau schien ihnen übrigens gar nicht Dank zu wissen, daß sie sich während ihrer Abwesenheit des Kindes so freundlich angenommen hatten. Mit einer ziemlich unsanften Bewegung nahmen die starkknochigen Arme das Kind der Dame ab. Mißtrauisch musterte der Blick des Weibes die Fremden.

»Ist es Ihr Kind?« fragte Schlieben. Es hätte der Frage nicht bedurft: das waren ganz dieselben dunklen Augen, nur daß sie bei dem Kinde glanzvoller waren, noch nicht vom Staube des Lebens getrübt, wie bei der Mutter.

Die Frau gab keine Antwort. Erst als Schlieben nochmals fragte: »Sind Sie die Mutter?« und zugleich in die Tasche griff, fand sie es der Mühe wert, kurz zu nicken: