»C’est l’ mi’n!«[1] Ihr Gesicht blieb finster, ganz ohne Regung von Stolz oder Freude.

Mit einem gewissen empörten Staunen sah es Käte. Wie gleichgültig das Weib war! Hielt sie nicht das Kind, als wäre es ihr eine überflüssige Last?! Ein Neid kam sie an, ein quälender Neid, und zugleich ein heftiger Unwille: die da verdiente wahrhaftig das Kind nicht! Aus dem Arm hätte sie ihr’s reißen mögen. Wie roh das Gesicht war, grob die Züge, hart der Ausdruck! Die konnte einem ja ordentlich Angst machen mit ihrem finsteren Blick. Nur jetzt – jetzt leuchtete etwas darin auf: aha, sie sah das Geldstück, das Paul aus seiner Börse genommen hatte!

Pfui, wie gierig jetzt der Blick wurde!

Die Beerensucherin streckte die Hand aus – da war ein großes, blankes Silberstück – und als es ihr nun gereicht war, als sie’s hielt, atmete sie tief; ihre braunen Finger schlossen sich fest darum.

»Merci!« Ein Lächeln huschte flüchtig über das unfreundliche Gesicht, dessen Mundwinkel verdrossen hingen; die Stumpfheit des Ausdrucks belebte sich für Augenblicke. Und dann – das unförmlich eingebündelte Kind auf einem Arm, am andern den schweren Eimer – schickte sie sich an, davonzutrotten.

Jetzt sah man erst, wie armselig ihr Rock war, er hatte Flicken in allen Farben und Größen. In den Zöpfen, die, verfilzt und unordentlich unter dem buntbetupften Kattuntuch vorhingen, hafteten dürre Heide und Tannennadeln; sie ging in alten schwergenagelten Männerschuhen. Man wußte nicht, war sie schon bejahrt oder noch jung; der starke Leib, die schlaffen Brüste entstellten sie, aber daß ihr Gesicht einmal nicht unschön gewesen sein mußte, das sah man noch. Das Kleine glich ihr.

»Ein hübsches Kind haben Sie,« sagte Schlieben. Seiner Frau zuliebe fing er noch einmal die Unterhaltung mit der Unzugänglichen an. »Wie alt ist der Knabe?«

Die Beerensucherin schüttelte den Kopf und sah teilnahmlos am Frager vorbei. Mit der war wirklich nichts anzufangen, die war ja entsetzlich stupide! Schon wollte Schlieben sie endgültig gehen lassen, aber Käte drängte sich an seinen Arm und raunte ihm zu: »Frage sie, wo sie wohnt! Wo sie wohnt – hörst du?!«

»He, wo wohnen Sie denn, gute Frau?«

Sie schüttelte wieder stumm den Kopf.