»Ja, das möchtest du wohl wissen!« Der Sohn lachte höhnisch auf; er empfand eine gewisse Genugtuung, ihrer Neugier das vorzuenthalten. Das würden sie nie erfahren! Das hatte er ja gar nicht nötig, sie wissen zu lassen! Protzig warf er den Kopf in den Nacken und antwortete nicht.
O Gott, was war aus dem Jungen geworden! Ganz entsetzt starrte Käte drein: er hatte sich ja völlig gewandelt, war ein ganz, ganz andrer geworden! Aber dann kam die Erinnerung – sie hatte ihn doch einmal so sehr geliebt – und der Schmerz, ihn gänzlich und auf immer verloren zu haben. »Wolfgang, sei doch nicht so, ich bitte dich! Wolfgang, wir meinen es doch so gut mit dir!«
Er maß sie mit einem unerklärlichen Blick. Und dann sah er an ihr vorbei ins Leere hinaus.
»Es wäre besser, ich wäre gar nicht da!« stieß er plötzlich hervor, ganz unvermittelt. Es wollte trotzig klingen, aber der Trotz erstickte im jähen Ausbruch einer schmerzlichen Erkenntnis.
4
Sie waren übereingekommen, daß Wolfgang nun nicht mehr draußen bei ihnen in der Villa wohnen sollte. Er war zwar noch sehr jung, aber die Zeit zur Selbständigkeit war da, das sahen die Eltern ein. Zwei hübsch möblierte Zimmer wurden gemietet in der Nähe des Geschäfts – Wolfgang sollte jetzt entschieden fleißiger heran – sonst mochte er unbehelligt sein. Dies späte Nachhausekommen, diese verantwortliche Kontrolle – nein, es ging nicht an, daß Käte sich völlig aufrieb! In tiefer Resignation hatte Schlieben diesen Schritt getan.
Und es schien, als sollten wirklich jetzt ruhigere, friedlichere Tage über die Villa Schlieben kommen. Der Winter war da, und der Schnee war eine so weiche, deckende Hülle für manche begrabene Hoffnung.
Wolfgang kam zu Besuch heraus; nicht zu oft, den Vater sah er ja ohnehin täglich im Kontor. Daß es die Mutter doch verlangte, ihn öfter zu sehen, schien er nicht zu ahnen. Sie ließ es ihn auch nicht merken. Sollte sie etwa betteln: ›Komm öfter?!‹ Nein, sie hatte schon allzuviel gebettelt – Jahre, fast achtzehn Jahre lang –, und mit Bitterkeit sagte sie sich: ›Verlorene Müh!‹