Wolfgang wurde sehr rot. Aha – sie hatten ihn belauert – heute wohl – waren ihm nachgeschlichen?! Nicht einmal weit draußen war man sicher vor ihren Späherblicken! Er war empört. »Wie kannst du sagen ›Frauenzimmer‹! Sie ist kein Frauenzimmer!«

»So – was ist sie denn, wenn ich fragen darf?«

»Meine Freundin!«

»Deine Freundin?!« Der Vater lachte ein kurzes zorniges Lachen. »Freundin – nun ja, aber für dich ist das denn doch noch ein wenig früh! Ich verbiete dir solche Freundinnen zweifelhaften, mehr als zweifelhaften Genres!«

»Sie ist nicht zweifelhaft!« Wolfgangs Augen funkelten. Wie recht hatte Frau Lämke, die neulich, als er sie wiederum besuchte, gesagt hatte: »So sehr ick mir ooch freue, kommen Se doch nich zu oft, Wolfjang. Frida is man ’n armes Mädchen, un bei so einer wird gleich was gered’t!«

Nein, hier gab’s nichts anzuzweifeln! Bleich vor Wut starrte der Sohn dem Vater in die Augen. »Sie ist ein so anständiges Mädchen, wie es nur eines gibt! Wie darfst du so von ihr sprechen?! Wie darfst du dich unter –« Er stockte, er war zu wütend, die Stimme versagte ihm.

»›Unterstehen‹ – sag’s nur heraus, ›unterstehen‹!« Schlieben beherrschte sich jetzt mehr, er war etwas ruhiger geworden, denn was er auf seines Jungen Gesicht sah, dünkte ihn ehrliche Entrüstung. Nein, ganz verdorben war der doch noch nicht, der war wohl nur verführt, solche Frauenzimmer hängen sich ja mit Vorliebe an noch sehr junge Leute! Und er sagte mit einer gutgemeinten Überredung: »Mache dich los von der Geschichte, so bald als möglich. Du ersparst dir viel Unangenehmes. Ich will dir wohl helfen dabei!«

»Danke!« Der junge Mensch steckte die Hände in die Hosentaschen und stellte sich breitbeinig auf.

Die weiche Stimmung war längst verflogen, die hatte Wolfgang sofort verloren beim ersten Schritt ins Zimmer; nun war er recht in der Laune, sich nichts, aber auch gar nichts gefallen zu lassen. Sie hatten Frida beschimpft!

»Wo wohnt sie?« fragte der Vater.