»Hätt ich ihn dort gelassen – ach, hätt ich ihn dort gelassen!«
Schlieben fühlte seiner Käte die Qual, den Selbstvorwurf nach, aber er wies auf den Toten, dessen Gesicht über dem weißen Hemd seltsam verfeinert, fast edelschön, jung und glatt war und ganz friedvoll, und zog sie mit der andern Hand fester an sich. »Weine nicht! Du hast ihn doch eigentlich erst zum Menschen gemacht – das vergiß nicht!«
»Meinst du –?! Ach, Paul« – in tiefem Schmerz neigte sie das betränte Gesicht – »ich habe ihn dadurch nicht glücklicher gemacht!«
Sie mußte weinen, unaufhaltsam weinen in tiefer Erkenntnis menschlichen Irrens. Zitternd faßte sie ihres Mannes Hände und zog ihn mit sich nieder am Totenbett.
Beider Hände falteten sich vereint über dem verlorenen Sohn. Wie aus einem Munde, in tiefer Reue flüsterten sie:
»Vergib uns unsre Schuld!«
Verlag von Egon Fleischel & Co. / Berlin W 9
Romane und Novellen
von
C. Viebig