»Madame!« Das Zimmermädchen steckte den Kopf herein. Und hinter dem Zimmermädchen reckte sich ein Männerkopf.

»Madame!«

Käte hörte nicht.

»Hier ist jemand – der Herr – der Herr ist angekommen!«

»Mein Mann?!«

Schlieben hatte das Mädchen beiseite geschoben und war eingetreten, blaß, hastig, in höchster Erregung: seine Frau, seine arme Frau! Was hatte sie allein durchmachen müssen! Der Junge tot! Man hatte ihn unten damit empfangen, als er ahnungslos ankam, sie beim Morgenkaffee zu überraschen.

»Paul!« Es war ein Aufschrei seligster Überraschung, wahrer Erlösung. Von dem kalten Toten weg flüchtete sie in seine warmen Arme. »Paul, Paul – Wolfgang ist tot!« Nun fand sie Tränen. Nicht endenwollende, strömende und doch so wohltuende Tränen.

All die Bitterkeit schwamm mit ihnen weg, die sie gegen den Sohn in sich getragen hatte, als er noch lebend war. »Armer Junge – unser armer, lieber Junge!« Diese Tränen wuschen ihn rein, so rein, daß er wieder das kleine, unschuldige Jungchen wurde, das im blühenden Heidekraut gelegen und mit blanken Augen in die helle Sonne gelacht hatte. O, hätte sie ihn dagelassen! Diesen Vorwurf, den sie sich selber machen mußte, den wurde sie ja nie wieder los!

»Paul, Paul,« schluchzte sie auf. »Gott sei Dank, daß du da bist! Hast du’s geahnt? Ja, du hast es geahnt! Du weißt, wie schrecklich, wie furchtbar mir zumute ist!« Die gealterte Frau umschlang den gealterten Mann mit noch fast jugendlicher Inbrunst: »Wenn ich dich nicht hätte – ach, das Kind, das arme Kind!«

»Weine nicht so sehr!« Er wollte sie trösten, aber auch ihm liefen die Tränen über das gefurchte Gesicht. Da war er nun hergereist in fliegender Hast, von einer jähen Unruhe getrieben – ihre Briefe waren ja ausgeblieben! – er war gekommen, freudig, um sie zu überraschen, und nun fand er’s so hier?! Er rang nach Fassung.