Käte war blaß, ihren Augen sah man’s an, daß sie wenig Schlaf gefunden hatten. Jedoch sie lächelte, und eine erwartungsvoll-freudige Spannung war in ihren Zügen, sprach aus ihrem Schritt; immer war sie den andern ein wenig vorauf.
Schliebens Gesicht war sehr ernst. War es nicht eine große Unbedachtsamkeit, eine grenzenlose Übereilung, die er jetzt beging, seiner Frau zuliebe?! Wenn es nun nicht zum Guten ausschlug?!
Es war eine böse Nacht gewesen. Seltsam stumm und wie geistesabwesend hatte er gestern Käte von der Baraque nach Hause gebracht, sie hatte nichts gegessen, und, große Ermüdung vorgebend, sich früh zur Ruhe gelegt. Aber als er, ein paar Stunden später, sein Lager aufsuchte, fand er sie noch nicht eingeschlafen. Sie saß aufrecht im Bett, ihr schönes Haar, das sie zur Nacht in zwei Zöpfe flocht, hing ihr lang herunter und gab ihr so das Aussehen einer ganz jungen Frau. Aus verstörten Augen sah sie ihn seltsam verlangend an, und dann schlang sie beide Arme um seinen Hals und zog seinen Kopf zu sich herunter.
Sie war so eigentümlich gewesen, so weich und doch so heftig, er hatte sie besorgt gefragt, ob ihr etwas fehle, aber sie hatte nur den Kopf geschüttelt und ihn in stummer Liebkosung fest umfaßt.
Er glaubte sie endlich eingeschlafen – sie schlief auch, aber nur ganz kurze Zeit – da war sie mit lautem Schrei schon wieder erwacht: sie hatte geträumt, so lebhaft geträumt – o, wenn er wüßte, was sie geträumt hatte! Geträumt – geträumt –! Sie seufzte und warf sich und lachte dann leise in sich hinein.
Er merkte wohl, daß sie etwas auf dem Herzen hatte, was sie ihm gern sagen wollte, und was sie sich doch nichts recht zu sagen traute. So fragte er sie.
Da hatte sie es ihm denn gestanden, stockend, schüchtern und doch mit einer Leidenschaftlichkeit, die ihn erschreckte: es war das Kind, an das sie immerfort dachte, immerfort denken mußte – ach, wenn sie das hätte! Das wollte sie haben, mußte sie haben! Die Frau hatte ja noch so viele Kinder, und sie – sie hatte keins! Und sie würde doch so glücklich mit ihm sein, ja, unsäglich glücklich!
Im Dunkel der Nacht, durch kein Wort von ihm unterbrochen, durch keine Bewegung – er hatte ganz still gelegen, fast wie gelähmt von der Überraschung, die doch nicht ganz eine Überraschung mehr war – hatte sie sich immer mehr gesteigert: was war ihr ganzes Leben? Eine immerwährende Sehnsucht! Alles, was er ihr an Liebe tat, konnte ihr doch das eine nicht ersetzen: ein Kind, ein Kind!
»Lieber, guter Mann, schlag’s mir nicht ab! Mach mich glücklich! So froh wird keine andre Mutter auf Erden sein – geliebter Mann, gib mir das Kind!« Ihre Tränen flossen, ihre Arme umklammerten ihn, ihre Küsse überschauerten sein Gesicht.
»Aber warum gerade dieses Kind?! Und so schnell entschlossen – das ist doch keine Kleinigkeit – man muß sich das erst sehr reiflich überlegen!«