Und an den dachte jetzt der Knabe, als er in der Schulbank saß und mit großen Augen auf die Wandtafel starrte, an die der Lehrer Wörter schrieb, die man ergründen sollte. Wie angenehm mußte es jetzt unter den Kiefern sein! Da flog der Rabe und streifte mit seinen schwarzen Flügeln den Schnee von den Ästen, daß der stäubte. Wohin er dann fliegen mochte?! Wie dem Star, so eilten dem Raben die Gedanken nach, weit, weit fort! Des Knaben Blick erglänzte, seine Brust hob sich unter einem tiefen Atemzug – da rief ihn der Lehrer an.

»Wolfgang, schläfst du mit offenen Augen? Wie heißt das hier?!« Der Knabe fuhr zusammen, wurde rot, dann blaß und wußte nichts.

Die andern Jungen wollten sich totlachen – ›schläfst du mit offenen Augen?‹ – das war zu drollig gewesen!

Der Lehrer strafte nicht, aber Wolfgang schlich doch nach Hause, als hätte er Strafe bekommen. Vor dem Hausmädchen, das ihn immer abholen kam, hatte er sich versteckt – nein, mit der ging er heute nicht! Auch den Kameraden war er davongelaufen – mochten sie sich heute mal ohne ihn balgen, morgen würde er ihnen desto mehr Schneeballen aufbrummen!

Er ging ganz allein, bog von der Straße ab und wanderte planlos zwischen die Kiefern hinein. Er suchte den Raben, aber der war weit fort, und so begann auch er zu rennen, zu rennen, so rasch er nur konnte, riß den Tornister vom Rücken und schleuderte ihn mit einem lauten Schrei weit von sich in die breiten Äste der Kiefer hinein, daß er da hängen blieb, und nur Schnee in ganzen Stücken lautlos herunterklexte. Das machte ihm Spaß. Er raffte beide Hände voll Schnee, drehte feste Bälle und begann nun die Kiefer, die seinen Tornister gefangen hielt, regelrecht zu bombardieren. Aber sie gab den Tornister nicht her, und als er heiß und rot und müde war, aber sehr erheitert, mußte er ohne Ränzel nach Hause gehen.

Das Hausmädchen war längst da, als er ankam; mit rotem Kopf – so war sie nach ihm umhergerannt – und mit bösem Blick öffnete sie ihm die Tür. »Na,« sagte sie ärgerlich, »wohl nachsitzen müssen?«

Er stieß sie zur Seite: »Halt deinen Mund!« Sie war ihm unleidlich in diesem Augenblick, da er von draußen hereinkam, wo es so still, so frei gewesen war.

Die Eltern saßen schon bei Tisch. Der Vater betrachtete ihn mit Stirnrunzeln, die Mutter fragte mit sanftem Vorwurf, der nicht frei von Besorgnis war: »Wo bist du so lange gewesen? Lisbeth hat dich überall gesucht!«

»Nun?« Schliebens Stimme klang streng.

Der Knabe hatte keine Antwort gegeben, es war ihm auf einmal, als sei ihm die Zunge gelähmt. Was sollte er denen hier drinnen denn von draußen erzählen?!