»Das war keine Abbitte! Wiederhole die Bitte um Verzeihung – und deutlich!«
Der Knabe wiederholte sie.
»Und nun versprich, daß du nicht mehr so toben wirst! ›Liebe Mutter, ich verspreche‹ – nun?!«
Kein Wort, kein Versprechen.
»Was soll das heißen?« Außer sich schüttelte Schlieben den Jungen. Der aber preßte die Lippen aufeinander. Von unten herauf traf ein Blick seiner dunklen Augen den Vater.
Frau Käte fing den Blick auf – o Gott, das war der Blick – jener Blick – der Blick des Weibes!
Schützend hielt sie beide Arme über den Knaben: nicht, nicht, o, nicht ihn reizen! Sie zog ihn näher zu sich und legte ihre Hände über seine Augen, daß er sie schließen mußte, und flehte dabei mit den Blicken ihren Mann an: Geh, geh du!
Schlieben ging, aber er schüttelte unwillig den Kopf. »Du wirst sehen, was du aus dem Jungen erziehst!« Drohend hob er noch einmal die Hand: »Junge, ich sage dir, du wirst parieren!« Und dann machte er die Tür hinter sich zu – nicht einmal seine Mittagsruhe konnte man mehr ungestört halten!
Vom Nebenzimmer aus hörte er die Stimme seines Weibes. Die klang so weich und dabei zitternd, wie in geheimer Angst: »Wölfchen, Wölfchen, bist du nicht mein gutes Kind?«
Keine Antwort. Herr des Himmels, dieser fühllose Rüpel, hatte er auf diese Frage, in diesem Ton, keine Antwort?!