»Ist der Junge bei der Arbeit?«
Sie schüttelte den Kopf und errötete. »Nein!«
»Nein –?! Warum denn nicht?« Er sah sie sehr erstaunt an. »Habe ich ihm denn nicht gesagt: sofort an die Arbeit?!«
»Das hast du gesagt. Aber ich habe ihm gesagt: lauf! – Paul, sei nicht böse!« Sie sah, daß er auffahren wollte und legte beschwichtigend die Hand auf seinen Arm. »Wenn du mich lieb hast, laß ihn! Ach, Paul, glaube mir, glaube mir doch: er kann ja nicht dafür, er muß sich ausrennen, austoben, draußen sein – er muß!«
»Du hast immer Entschuldigungen! Denke doch nur an die Geschichte mit dem Tornister, aus seiner ersten Schulzeit – oben in die Kiefer hatte der Bengel den geworfen. Hätte nicht zufällig ein Arbeiter den Ranzen entdeckt und zu uns gebracht, weil er den Namen auf der Fibel las, hätten wir lange suchen können. Du hast es entschuldigt – nun, das war auch weiter nichts Schlimmes – ein Übermut – jetzt entschuldigst du aber ganz anderes! Und alles!« Der seiner Frau sonst so nachgiebige Mann erzürnte sich in seiner ernstlichen Besorgnis. »Ich bitte dich, Käte, sei nicht so unglaublich schwach mit dem Jungen! Wo soll das hin mit ihm?«
»Dahin!« Ernst zeigte sie auf ihn und sich. Und dann, mit einem Ausdruck tief-innerster Empfindung legte sie die Hand auf ihr Herz.
»Wieso? Ich verstehe dich nicht! Bitte, habe die Güte, dich etwas deutlicher auszudrücken, zum Rätselraten bin ich nicht gelaunt!«
»Wenn du’s nicht errätst, wirst du’s auch nicht verstehen, wenn ich es deutlicher sage!« Sie senkte den Kopf, und dann nahm sie wieder ihren früheren Platz ein; aber sie sann nicht mehr vor sich hin, sondern es schien ihm, als lausche sie mit geneigtem Ohr dem gellenden Triumphgeschrei, das hinterm Haus von dem wüsten Feld her bis übers Dach stieg.
»Du wirst nie mit dem Jungen fertig werden!«
»O, ich werde schon!«