Aber mit einem Ruck warf er sich auf die andre Seite, drehte ihr den Rücken zu und murmelte. Lauter Unverständliches, selten ward ein Wort deutlich, aber es war genug auch so; sie fühlte: er war nicht hier, nicht bei ihr – weit fort! Suchte seine Seele im Traum die Heimat, die er nicht kannte, die er nicht einmal ahnen konnte und die doch so mächtig war, daß sie ihn, auch unbewußt, an sich zog?!
Von einer Unruhe ohnegleichen gepeinigt, stand Käte an Wolfgangs Bett: eine Mutter und doch keine Mutter! Ach, sie war ja nur eine fremde Frau am Bett eines fremden Kindes!
Und sie schlich sich zurück auf ihr Lager und vergrub ihre hämmernde Stirn tief in die Kissen. Heftig fühlte sie ihr Herz pochen, und sie schalt sich selber darüber, daß sie sich so unnütze Gedanken machte. Sie änderte ja nichts dadurch, ward nur müde und traurig.
Wenn Käte nach solchen Nächten aufstand, fühlte sie den besorgten Blick ihres Mannes, und ihre Hände, die das reiche Haar aufsteckten, zitterten. Gut, daß ihr eine Nadel entfiel, da konnte sie sich doch rasch bücken und ihr überwachtes Gesicht mit den umschatteten Augen seinen forschenden Augen entziehen. –
»Ich bin wieder gar nicht mit dem Befinden meiner Frau zufrieden,« klagte Schlieben dem Arzt. »Sie ist wieder schrecklich nervös!«
»So?!« Geheimrat Hofmanns freundliches Gesicht wurde energisch. »Ich will Ihnen was sagen, lieber Freund, da gehn Sie nur gleich dagegen an!«
»Das nützt nichts!« Schlieben schüttelte den Kopf. »Ich kenne doch meine Frau. Der Junge macht’s, der verdammte Junge!«
Und er nahm sich Wolfgang vor. »Hör mal, du mußt die Mutter nicht immer so quälen! Merke ich noch einmal, daß sie sich über dich kränkt, weil du ungezogen bist, so sollst du mich kennen lernen!«
Quälte er denn die Mutter?! Wolfgang machte ein verdutztes Gesicht. Und ungezogen war’s doch auch nicht, wenn er gern zu Lämkes wollte! Das quält, wenn man innen sitzen muß, während draußen der Wind pfeift und einem so lustig das Haar zerwühlt! Und das quälte ihn auch, daß er heute nicht zu Lämkes sollte.
»So geh nur hin,« sagte Käte. Sie fuhr sogar noch vor Tisch nach Berlin hinein und kaufte eine Puppe, eine hübsche Puppe mit blonden Locken, mit Augen, die sich schlossen und öffneten, und mit einem rosa Kleid. »Die bringe Frida zum Geburtstag mit,« sagte sie am Nachmittag und händigte sie dem Knaben ein. »Halt! Vorsicht!«