Sie mußte sich in den nahezu zehn Jahren, die sie im Hause gewesen war, ganz gut gespart haben, denn auch die Versicherung einer Lohnzulage konnte sie nicht halten. Sie beharrte bei ihrer Kündigung und warf einen bösen Blick nach dem Knaben, der eben von draußen übers Fensterbrett sein lachendes Gesicht hereinhob.

Käte war außer sich. Nicht nur, weil sie ungern die langbewährte Dienerin entbehrte, sie hatte auch so bestimmt darauf gerechnet, Lisbeth würde während ihrer Abwesenheit ein wachsames Auge auf den Knaben haben. Und es schmerzte sie, daß diese in einem so gehässigen Tone von Wolfgang sprach. Was hatte ihr das Kind denn getan?!

Aber Lisbeth zuckte nur wortlos die Achseln und setzte eine verdrossen-beleidigte Miene auf.

Der Hausherr nahm sich den Knaben vor: »Sage mal, Junge, was hast du eigentlich mit der Lisbeth gehabt? Sie hat gekündigt, und, wie mir scheint, geht sie deinetwegen. Hör mal« – er sah ihn scharf an – »du bist wohl frech gegen das Mädchen gewesen?«

Des Knaben Gesicht wurde ganz hell: »O, das ist gut, das ist gut, daß die geht!« Er beantwortete gar nicht die an ihn gestellte Frage.

Schlieben zog ihn am Ohrläppchen: »Antworte, bist du frech gegen sie gewesen?«

»Hm!« Wolfgang nickte und lachte den Vater an. Und dann sagte er, noch triumphierend in der Erinnerung: »Gestern erst! Da hab ich ihr eine ins Gesicht gegeben. Warum sagt sie denn immer, ich hätte hier nichts zu suchen?!«

Schlieben erzählte seiner Frau nichts hiervon; sie würde sich ja nur wieder neue grüblerische Gedanken machen. Dem Jungen hatte er auch keinen Klaps gegeben, ihm nur ein wenig mit dem Finger gedroht. –

Lisbeth zog ab. Wie eine beleidigte Königin verließ sie das Haus, dem sie so lange treu gedient hatte und in dem sie sich so viel hatte gefallen lassen müssen, wie sie beim Abschied weinend ihrer ebenfalls ergriffenen Herrin versicherte.

Ein andres Mädchen war gemietet worden, freilich eins, auf das Käte von vornherein keine besondere Zuversicht setzte – Lisbeth hatte gleich einen ganz anders intelligenten Eindruck gemacht –, aber es blieb keine Wahl, da keine Ziehzeit war; und sie sollte doch so rasch als möglich ins Bad.