»Wölfchen – was macht Wölfchen?!«

»O, dem geht’s sehr gut! Aber nun erzähle du mal, mein Herz, wie hast du denn die langen Tage dort hingebracht? Wie war der Tag eingeteilt? Also morgens zum Brunnen – erst mal einen Becher, dann den zweiten – und dann? Nun?!«

Sie erzählte nicht. »Wölfchen ist doch gesund?« fragte sie hastig. »Es stimmt gewiß nicht ganz – du erzählst ja so wenig von ihm?! Ich habe immer schon solche Ahnung gehabt! Ach Gott, so sage doch!« Fast gereizt klang ihr Ton – wie konnte Paul nur so gleichgültig sein! »Was fehlt Wölfchen?«

»Fehlt?!« Er sah sie ganz verwundert an. »Aber ich bitte dich, Käte, warum soll ihm denn durchaus etwas fehlen?! Er ist kerngesund!«

»Wirklich –?! Aber so erzähle doch, erzähle!«

Er lachte über ihre Ungeduld. »Was läßt sich von so einem Jungen erzählen?! Er schläft, ißt, trinkt, geht in die Schule, kommt nach Hause, läuft in den Garten, schläft, ißt, trinkt wieder und so fort, vegetiert wie die Pflanze im Sonnenschein. Erzähle du lieber, wie’s dir geht!«

»O, mir – mir« – das kam ihr auf einmal so überflüssig vor – »mir, ganz gut, du siehst es ja!« Welch eine Gleichgültigkeit hatte er gegen das Kind! Und sie – die Mutter –, hatte es auch so lange vergessen können?! Eine solche Beschämung kam über sie, daß sie hastig den Kopf von ihres Mannes Schulter hob und sich gerade aufsetzte. Nun waren sie keine Liebesleute mehr, nur Eltern, die sich um ihr Kind zu kümmern hatten!

Und sie sprach nur von ihm.

Paul fühlte den plötzlichen Umschwung in der Stimmung seiner Frau. Eine Verstimmung beschlich ihn: waren sie doch wieder auf dem alten Fleck?! Hatte sie schon wieder für nichts andres Interesse mehr als für den Jungen?! Er empfand keine Neigung weiter, von seiner Reise zu erzählen.

Immer einsilbiger wurde die Unterhaltung; an der nächsten Station kaufte er sich eine Zeitung, und sie lehnte sich in die Ecke und versuchte zu schlafen. Aber so abgespannt sie auch war, es gelang ihr nicht; ihre Gedanken streiften unruhig in allen möglichen Wendungen immer um den einen Punkt: also ihm fehlte nichts! Gott sei Dank! – Wie gleichgültig Paul doch war –, aber ob Wölfchen sich sehr freuen würde, daß sie wieder kam? Der liebe Junge – der geliebte Junge!