Was erblickt er? Seine –«

Die Sängerin stockte – ein tiefer Atemzug zitterte plötzlich über die Veranda. Der Knabe schrie erschrocken laut auf – da stand sie, da stand sie!

»Aber Wolfgang – Wölfchen!« Die Mutter streckte ihm die Arme entgegen, doch er verbarg den Kopf in dem Schoße der Magd.

Kätes finsterer Blick streifte das Mädchen: was war das für ein Unsinn, ihm solche Lieder vorzusingen!

»Och, die Frau – die gnädige Frau!« Rot werdend schnellte Cilla auf und ließ alles, was sie auf dem Schoß hatte – Strumpf, Stopfei, Wollknäuel und Schere – zu Boden gleiten; auch den Jungen.

Warum waren die beiden so erschrocken?! Als sei sie ein Gespenst, so starrte Wolfgang sie ja an!

Er war jetzt aufgestanden, hatte die Mutter begrüßt, mechanisch das Gesicht zu ihr aufgehoben, um ihren Kuß zu empfangen; aber sie merkte ihm keine Freude an. Oder war es Befangenheit, eine knabenhafte Scham, weil sie ihn belauscht hatte? Seine Augen sahen sie gar nicht voll an, streiften sie aber immerfort von der Seite. War sie ihm denn fremd geworden – so fremd?!

Eine unsägliche Enttäuschung durchzog der Heimkehrenden Herz, und ohne daß sie es beabsichtigte, klang der Ton schroff, in dem sie das Mädchen jetzt hinausgehen hieß. Sie setzte sich auf den eben verlassenen Platz am Tisch und zog ihren Knaben an sich.

»Wie ist dir’s denn gegangen, Wölfchen? Nun sage doch – gut?!«

Er nickte.