»Zu Ende – stirbt er wirklich – der Wolfjang, der Junge?!« Die Frau starrte ungläubig: das konnte ja nicht sein! Aber sie war schreckensbleich geworden.
Die Köchin lenkte ein: »Nu, schlimm jenug is ’s! Unser Doktor hat noch ’nen andern Professor zugezogen, ’nen janz berühmten – jestern war der schonst hier – aber sie jlauben nich, daß se noch was machen können. Die Krankheit is auf die Nieren jeschlagen und aufs Herz. Er kennt einen ja jar nich mehr! Heut morgen war ich drinne, ich wollt ihn doch jerne noch mal sehn – da lag er janz steif und still, wie aus Wachs. Ich jlaube, das wird nischt mehr!« Die gutmütige Person weinte.
Sie weinten alle drei, um den Küchentisch sitzend. Frau Lämke vergaß ganz, daß sie diese Küche nie mehr hatte betreten wollen, und daß ihr Kohl, den sie daheim zum Mittagessen aufgesetzt hatte, nun wohl verbrannte. »Jotte doch, Jotte doch,« sagte sie ein über das andre Mal, »wie wird sie da über wegkommen, so ’n Kind – so ’n einzig liebet Kind!«
Oben standen die Ärzte am Krankenbett, der alte Hausarzt und die noch junge Autorität. Sie standen zur Rechten und zur Linken.
Der Ausschlag war ganz zurückgetreten; keine Spur von Röte war mehr auf dem Gesicht des Knaben, der die Augen mit den erschreckend dunklen Wimpern beharrlich geschlossen hielt. Die Lippen waren blau. Die breite, aber jetzt förmlich eingesunkene Brust zitterte und arbeitete.
Bei jedem mühsamen Atemzug atmete Käte mühsam mit. Sie saß im Sessel zu Füßen des Bettes, steil aufrecht; so hatte sie die ganze Nacht gesessen. Ihr angstvoll-bohrender Blick flog über die bedenklichen Gesichter der Ärzte und stierte dann an ihnen vorbei ins Leere. Da standen sie, zur Rechten und zur Linken – aber da, da – sahen sie’s denn nicht?! – da zu Häupten stand der Tod!
Mit einem unartikulierten Laut bäumte sie sich auf, dann sank sie, wie geknickt, in sich zusammen.
Die Ärzte hatten dem todkranken Kinde eine Injektion gemacht; die Herzschwäche war sehr groß und ließ das Schlimmste befürchten. Dann empfahl sich die Autorität: »Auf morgen!« – aber es lag ein Achselzucken und ein ›Wer weiß?!‹ in diesem ›Auf morgen‹.
Der Hausarzt war noch geblieben; er konnte als Freund nicht gehen. Käte hatte sich an ihn geklammert: »Helfen Sie! Helfen Sie doch meinem Kinde!« Nun saß er mit Schlieben unten in dessen Arbeitszimmer; Käte hatte allein bei dem Kranken bleiben wollen, nur in der Nähe wissen wollte sie ihn.
Stumm saßen die beiden Männer bei einem starken Wein. »Trinken Sie, trinken Sie doch, lieber Freund,« sagte wohl der Hausherr; aber er selber trank auch nicht. Wie wird sie’s ertragen, wie wird sie’s ertragen?! Das surrte beständig durch seinen Kopf. Die Stirn in tiefe Falten gezogen, versank er in ein Brüten. Und der Arzt störte ihn nicht.