Er ging selber hinab ins Souterrain, er hätte klingeln können, aber es war ihm ein Bedürfnis, etwas zu tun. O, wie war man doch so schrecklich tatenlos! Stumm kauerte seine Frau jetzt im Lehnstuhl, mit großen starren Augen; die Pflegerin schlief halb, nichts regte sich im Zimmer. Auch das Kind lag so still, als wäre es schon tot.
Eine große Bangigkeit befiel den Mann, der jetzt durch das nächtliche Haus tappte. Es war etwas so Lähmendes in dieser Stille; alles – die Zimmer, die Treppe, die Halle – alles kam ihm auf einmal so fremd vor. Fremd und leer. Wie waren sie doch vordem belebt gewesen vom Hauch der Jugend, erfüllt von der ganzen unbändigen Unbekümmertheit eines wilden Knaben!
Schwer stützte er sich aufs Treppengeländer, unsicher tastete er sich hinab. Ob die Leute unten noch auf waren?!
Er fand sie noch alle. Um den Tisch in der Küche, die jetzt so kalt war, als hätte nicht den ganzen Tag ein hellloderndes Feuer im Herd gebrannt, saßen sie frierend beisammen. Die Köchin hatte einen starken Kaffee gekocht, aber auch der hatte ihnen nicht wärmer gemacht. Durchs ganze Haus schlich eine Todeskälte; es war, als seien Eis und Schnee von draußen hereingekommen, als fege der Todeshauch der erstarrten Natur auch hierinnen vom Giebel bis zum Keller.
Es nützte nichts, daß noch mehr Kohlen dem großen Ofen in den Rachen geschüttet wurden, nichts, daß das Wasser heißer durch alle Röhren strömte. Kein Mensch bekam wärmere Füße, wärmere Hände.
»Wir wollen es bei dem Patienten mit einem sehr heißen Bad versuchen,« sagte die Pflegerin. Sie hatte schon oft in ähnlichen Fällen dieses letzte Mittel von Erfolg gekrönt gesehen.
Alle Hände rührten sich. Die Köchin feuerte, die beiden andern schleppten das kochende Wasser hinauf; aber Cilla trug mehr und rascher als der Friedrich. Sie fühlte ihre ganze unerschöpfliche, schaffensfreudige Jugendkraft. Wie gern tat sie das für den guten Jungen! Und bei jedem Eimer, den sie in die vors Bett gestellte Wanne schüttete, murmelte sie leise ein Stoßgebet; sie konnte sich nicht bekreuzen, sie hatte keine Hand frei, konnte auch nicht niederknieen, aber sie war gewiß, die Heiligen würden sie doch erhören.
»Heilige Maria! Heiliger Joseph! Heilige Barbara! Heiliger Schutzengel! Heiliger Michael, streite für ihn!«
Unten hatte sich die Köchin ihr Gesangbuch vorgesucht; sie war eine Protestantin und brauchte es nicht alle Tage. Nun schlug sie es auf, aufs Geratewohl: wie es traf, so traf’s! O weh! Zitternd zeigte sie es dem Friedrich. Da stand:
›Wenn ich einmal soll scheiden,