Die Bedingungen, unter denen Heinrich von Valois 1573 bis 1574 (1573–1574) gewählt wurde, waren in den Pacta conventa niedergelegt: ein ewiges Bündnis mit Frankreich, Errichtung einer Flotte auf seine eigenen Kosten, im Kriegsfalle Ausrüstung eines Heeres auf seine eigenen Kosten, Verwendung von 40 000 fl. für die Bedürfnisse des Landes aus eigenen Mitteln, Bezahlung der Schulden Siegmund Augusts, Bestätigung der Privilegien und Freiheiten. Diese letzte Bedingung war genauer in den Articuli Henriciani umschrieben: Der König erkennt die freie Wahl an und verzichtet auf den Titel „Erbe des Reiches”; er sichert den Dissidenten Bekenntnisfreiheit, erklärt ohne den Senat weder Krieg noch schließt er Frieden, umgibt sich stets mit 16, der Reihe nach abwechselnden Senatoren; er beruft das allgemeine Aufgebot nur mit Zustimmung des Reichstages und teilt es nicht, außer Landes besoldet er es; er beruft den Reichstag alle zwei Jahre auf höchstens sechs Wochen und entbindet, falls er eine dieser Bestimmungen verletzt, das Volk vom Gehorsam.

Von nun ab wurden jedem Könige „Pacta conventa” vorgelegt, die Articuli Henriciani aber gingen in die Staatsgrundgesetze über.

Die unheilvolle Bahn, die ununterbrochen abwärts führte, war nun beschritten. Indem die Vererbbarkeit der Königswürde ausgeschlossen wurde, wurde das Land mehrmals in jedem Jahrhundert den Wahlwirren ausgesetzt, eine stete Politik unmöglich gemacht, der Hader der Parteien gestärkt. Alle Schritte des Königs, der so wie so fast keine Befugnisse mehr hatte, wurden durch die 16 „residierenden” Senatoren überwacht. Der letzte Artikel, „de non praestanda obedientia”, wurde ein Vorwand zu ständigem Aufruhr.

Es beginnt die bedeutsame Rolle der Konföderationen in Polens Geschichte, die zur Erreichung bestimmter Ziele durch den König, den Reichstag oder Adelsparteien gebildet wurden, bestimmter Ziele, die im Rahmen der bestehenden Gesetze nicht zu erreichen waren. Diese Konföderationen hatten ihre eigenen Reichstage, auf denen glücklicherweise Stimmenmehrheit entschied, ihre eigene, aus Wahlen hervorgehende Verwaltung, mit einem Marschall und Hetman oder Generalregimentarius an der Spitze. Wenn die Konföderationen alle Wojewodschaften umfaßten, dann hießen sie Generalkonföderationen. Deren Leiter hatten diktatorische Gewalt, ihre Beschlüsse dieselbe Geltung wie Reichstagskonstitutionen. Angesichts der schwerfälligen Reichstagsverfassung und der erforderlichen Einstimmigkeit aller Wojewodschaften bei Reichstagsbeschlüssen waren die Konföderationen oft das einzige Mittel, aus den Schwierigkeiten herauszukommen. Es bedarf keiner weiteren Ausführung, daß sie ebensooft in den Händen ehrgeiziger oder verbrecherischer Männer dem Staate verderblich wurden.

Heinrich von Valois, der erst Anfang 1574 ins Land 1574 kam, war nicht gewillt, seine Versprechungen zu halten. Doch ehe es zu ernsten Zwistigkeiten kam, starb sein Bruder. Noch im selben Jahre verließ er daher bei Nacht und Nebel Polen, um den französischen Thron zu besteigen.

Das Land sah sich, nachdem es Heinrich vergebens eine Frist zur Rückkehr gegeben hatte, von neuem vor die Notwendigkeit einer Wahl gestellt, die schon die ersten Zwistigkeiten herbeiführte (1576). Die Senatorenpartei, Litauen und Preußen wählten Kaiser Maximilian II., die Partei der Szlachta unter Führung Johann Zamojskis und der Zborowski die letzte Jagiellonin Anna, die Schwester Siegmund Augusts, und bestimmte gleichzeitig zu ihrem Gatten Stephan Báthory (1576–1586). Ein Bürgerkrieg stand 1576 bis 1586 in Aussicht, denn die Szlachta hatte sich schnell Krakaus bemächtigt, und die Kaiserlichen rüsteten ebenfalls. Da starb Maximilian, der bereits den Eid auf die Pacta conventa in Wien geleistet hatte, und dem energischen Durchgreifen Stephans gelang es, sich beim Adel Anerkennung zu verschaffen, zuletzt, durch einen Feldzug (1576–1577), auch in 1576 bis 1577 Danzig.

Dieser begabte Fürst, der letzte große Staatsmann auf dem polnischen Thron, trug sich mit weitschauenden Plänen für die Größe des Landes. Wie er im Innern die königliche Macht zu stärken suchte und auch stärkte, so wollte er nach außen durch Niederwerfung der Moskowiter, der Tataren und Türken Polen die Vorherrschaft in Osteuropa zurückerlangen.

Zunächst drängten die Vorgänge in Livland zum Waffengange mit Rußland. Iwan der Schreckliche hatte die Wirren benutzt, um ganz Livland mit Ausnahme von Riga zu verwüsten und an sich zu reißen. Ihm mußte Stephan zuerst entgegentreten. Er sicherte sich den Frieden mit den Türken, ließ den saporogischen Kosaken Iwan Podkowa, der diesen Frieden nicht hielt, in Lemberg enthaupten und verstärkte seine Streitkräfte durch Verbesserung der Artillerie und durch Einführung einer Bauerninfanterie von den königlichen Gütern (jeder 20. Bauer). 1579 brach er mit 30 000 Mann 1579
1580 in Rußland ein, eroberte Polozk zurück, gewann 1580 mit einem noch größeren Heere die wichtigen Grenzplätze Welish, Usswjat (beide im Gouvernement Witebsk), Wjelikije Luki (Gouv. Pskow) und stand im nächsten Jahre vor Pskow.

Alle Erfolge Iwans standen in Frage. Da entschloß er sich zu einer Gesandtschaft an den Kaiser und den Papst, um über Stephans „unchristliches Vorgehen” Beschwerde zu führen und seinen Anschluß an Rom in Aussicht zu stellen, wenn man ihm einen günstigen Frieden vermittle. Gregor XIII. war leichtgläubig genug, dieses Anerbieten ernst zu nehmen. Er schickte den Jesuiten Antonio Possovino nach Polen und Moskau, der sich eifrig um den Frieden bemühte. Da die Belagerung von Pskow sich bis in den Winter hinzog und im polnischen Heere Krankheiten ausbrachen, da vor allem die Szlachta den König ohne Mittel ließ und ihm in unpatriotischer Weise entgegen war, hatten die Bemühungen Erfolg. In Sapolje (Jam Zapolski) im Pskowschen wurde 1582 ein zehnjähriger Waffenstillstand geschlossen, der Polen 1582 Polozk zurückbrachte, dazu Welish und die Teile Livlands, die Iwan früher innehatte. Das Übergewicht, das Moskau unter den beiden Iwan erlangt hatte, war vorläufig gebrochen.

Im Innern nahmen Religionsstreitigkeiten und Reformpläne den König in Anspruch. Obwohl früher Protestant, glaubte er nur aus der Wiederherstellung der Kircheneinheit eine Gesundung der Verhältnisse erhoffen zu können. Er begünstigte daher eifrig die jesuitische Gegenreform, die in Polen wie überall durch die Schule die heranwachsende Generation für sich zu gewinnen suchte und in dem vor kurzem noch so toleranten Lande den religiösen Fanatismus entfachte. In Riga führte ihr Vorgehen, das auch anderwärts Unruhen verursachte, im Verein mit der Einführung des gregorianischen Kalenders 1586 1586 zur sogenannten Kalenderrevolution, die erst nach Stephans Tode erstickt wurde (1589).